Da hatte ich nun so damit geprahlt, dass wir in der obersten (12.) Etage vom Hochwasser und den Stürmen auf dem finnischen Meeresbusen nicht betroffen wären. Voriges Wochenende gab es über uns ein paar Bauarbeiten. Wir hatten schon gescherzt, dass in den Nachrichten bald von 4 verschütteten Ausländerinnen im Wohnheim zu lesen sei, denn es klang sehr bedrohlich. Gestern Abend sitzen wir in der Küche und Vera sieht neben der Wohnungstür schöne große Wasserstreifen. Ich geh runter, berichte der Kommandantin (ja, so nennt sie sich wirklich!). Sie schickt nach einiger Zeit den Wächter, der sich unsere vermeindlich übertriebenen Ängste anschauen soll, in dieser Ecke liegt auch die Klingel und die Verbindungen zum Sicherungskasten. Es läuft von oben in unsere Wohnung. Bald tropft es aus dem Türrahmen, aber was soll man schon machen, Bauarbeiter können erst morgen wieder kommen. Wie legen uns schlafen, hoffen, nicht zu ertrinken oder wegen eines Kurzschlusses in Flammen zu sterben, mut grausiger Erwartung des Morgens.
Heute ist unser Lang-Schlaf-Tag, doch ich wundere mich schon die ganze Zeit im Bett, was denn immer so klopfende Geräusche macht. Das waren natürlich auch die Kommandantin und der Wächter, die sich den Schaden noch mal angesehen und schon einmal Pläne geschmiedet haben, wie sie uns die Renovierungsarbeiten anhängen können. Das soll wohl auch schon in anderen Wohnungen passiert sein. Heute morgen also tropft es auch von unserer Zimmerdecke; in der ganzen Breite des Zimmers zieht sich eine nasse Spur und beginnt die Wand hinunterzulaufen. Gerade eben haben wir festgestellt, dass auch aus einer der Steckdosen Wasser gelaufen kommt. Grund zur Besorgnis? - Sicherlich nicht von unten. Da sind ja noch 11 Etagen dazwischen, bis das Wasser angekommen ist. Es scheint aber so, als ob über uns gewerkelt würde, also ist zu hoffen, dass alle Geschenke wohlbehalten daheim ankommen, in einem trockenen Koffer, mit Besitzer. Man traut sich schon gar nicht mehr, das Licht anzuschalten.
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