In diesem Blog werden alle meine Erlebnisse, außerdeutschen Entführungen in die Kultur des russischen Wodkas, Kleidungsstils, der Musik, Kunst und natürlich des Lernens, was zu Recht an aller letzter Stelle genannt wird, niedergeschrieben und katalogisiert. Angefügt und schlecht verfugt, mein Kurzaufenthalt in Prag, Tücken, Entzücken und eine völlige Abwesenheit von Mücken, hm, ich muss mich erst einschreiben.
Dienstag, 21. Juni 2011
Neue Waschgänge
Es ist schon bewundernswert, wie einfallsreich man sein muss, um Bürokratie so unsinnig wie möglich zu erschaffen und für den Verbraucher so unbequem wie möglich zu gestalten. Da ich mal wieder eine saubere Hose brauchte und mich entschied, aus Zeitspatgründen bei mir im Haus zu waschen, wurde ich auf eine neue Regelung der Bezahlung aufmerksam gemacht. Vorher konnte man wie das auch sonst überall üblich ist, direkt bei der Wäschereifrau bezahlen. Die Bezeichnung Wäscherei ist eigentlich nicht wirklich zutreffend, da sie nur über drei Waschmaschinen und zwei Trockner herrschen darf und man bei viel Betrieb schon mal einen Tag warten kann, bis man seine Wäsche wieder zu Gesicht bekommt. Aber genug der Beschwerde, deswegen bin ich ja sonst zu einem anderen Waschsalon gefahren. Heute nun aber waren alle Maschinen leer und ich konnte meine beiden Trommeln direkt selbst einwerfen. Als ich ihr sagte, dass ich das Geld später vorbei bringen würde, deutete sie auf ein Schild an der Tür, auf dem stand: "Ab sofort kann man Wäschen nur noch mit vorher geholter Quittung durchführen. Zu diesem Zweck bitte zu einem anderen Wohnheim fahren, dort Wäsche und Trocknen bezahlen und uns dann die unterschriebene und sicherlich auch gestempelte Quittung vorlegen." Mir ist der Unterkiefer abgeklappt und sie stimmte mir sofort zu, dass das völliger Blödsinn ist und meinte, für mich könnte sie ja eine Ausnahme machen :) Also bezahle ich direkt bei ihr, habe die russische Bürokratie wieder einmal besiegt, fühl mich aber als Deutsche ganz schuldig, weil ich nicht den offiziellen Weg gegangen bin, bis ins nächste Wohnheim und wieder zurück nämlich.
Donnerstag, 16. Juni 2011
Lange Pause, Kurzer Sinn
Meine Prüfungen sind bestanden, meine Eltern und Bruder mit Katja durch die Stadt geschleust und heil wieder heim gebracht und meine Angelegenheiten in Petersburg bis auf wenige Besuche und Schuldeneintreibungen geregelt. Mehr habe ich in den letzten 15 Tagen auch nicht gemacht. Jetzt bleiben noch 15, um mich zu verabschieden und alles zu sehen, was ich immer noch nicht abgehakt habe. Dazu gehören die Stadt Welikij Novgorod, der Palast in Gatschina und die verschiedenen Nebengebäude des Russischen Museums.
Meinem Besuch hat es zum Glück sehr gut gefallen, auch wenn das Programm eng und laufreich war. Alle Vier sagen im Nachhinein (3 Tage nach Heimfahrt), dass es ein schönes Wochenende war und dass man sich immer wieder gern daran zurückerinnern kann, im Alter. Ich kann also ruhigen Gewissens behaupten, eine der besten Stadtfüherinnen Petersburgs zu sein und hätte gern mehr Freunde und Familie hier begrüßt, wenn denn die Zeit gewesen wäre.
Heute Abend war ich mit meinen Mitbewohnerinnen auf einem Sting-Konzert auf dem Schlossplatz. Es war kostenlos und in Zusammenarbeit mit dem hiesigen Philharmonieorchester und hat mir natürlich sehr gefallen. Falls mir jemand eine Sting CD schenken will (zum nächsten Festchen) wäre ich entzückt. Andere Musik tuts aber auch.
Meinem Besuch hat es zum Glück sehr gut gefallen, auch wenn das Programm eng und laufreich war. Alle Vier sagen im Nachhinein (3 Tage nach Heimfahrt), dass es ein schönes Wochenende war und dass man sich immer wieder gern daran zurückerinnern kann, im Alter. Ich kann also ruhigen Gewissens behaupten, eine der besten Stadtfüherinnen Petersburgs zu sein und hätte gern mehr Freunde und Familie hier begrüßt, wenn denn die Zeit gewesen wäre.
Heute Abend war ich mit meinen Mitbewohnerinnen auf einem Sting-Konzert auf dem Schlossplatz. Es war kostenlos und in Zusammenarbeit mit dem hiesigen Philharmonieorchester und hat mir natürlich sehr gefallen. Falls mir jemand eine Sting CD schenken will (zum nächsten Festchen) wäre ich entzückt. Andere Musik tuts aber auch.
Montag, 30. Mai 2011
Wenn jetzt Sommer wär ...
Wir wissen ja schon seit einigen Jahrhunderten, dass Russland in allen Entwicklungen, sei es politisch, philosophisch oder ökonomisch, etwas verspätet auf den Zug aufspringt, aber leider trifft das in Petersburg auch auf das Wetter zu. Wir haben wunderschönstes Aprilwetter mit Sonne, Regen und starkem Wind an jedem Tag und das Anfang Juni. Für mich bedeutet das kein Lernen am Strand sondern im Bett. Ich habe in den nächsten 2 Wochen noch 3 Prüfungen und 4 Familienmitglieder zu meistern. Dann kann ich auch schon bald nach Hause fahren. Mein Flug ist auch schon gebucht. Die Pläne, nach Helsinki und Schweden zu düsen habe ich verworfen, weil man keine Fährverbindung von Stockholm nach Deutschland unter 100 € finden kann; einen Flug schon gar nicht.
An diesem Wochenende haben wir den 308. Geburtstag unserer Wahlheimatstadt gefeiert. Es war ein großes Ereignis mit allerlei Gästen von fern und nah, akrobatischen Einlagen, Bands und Festumzügen. Zur feierlichen Eröffnung hatte man ein Akrobatenteam aus Frankreich eingeladen. Auf dem Schlossplatz waren mehrere große Gerüste aufgebaut und auch zwei große Kräne - alle mit Drahtseilen verbunden. Die Artisten sind dann in Engelskostümen über den ganzen Platz gesaust und haben aus verschiedenen Behältnissen Daunenfedern und goldenes Konfetti fallen lassen. Es gab ungefähr 20 Engel, die verschiedene Bilder dargestellt haben. Erinnert hat mich das ganze an die Engelshow im 3. Stock der Manufaktur der Träume, nur das das hier natürlich ein reiner Abklatsch der Grazie der Darstellung in Annaberg war. Die Hymne der Stadt wurde auch vielfach gespielt. Ich möchte sie hier kurz übersetzen:
Du hohe Stadt, thronend an der Newa,
Wie ein wunderbares Heiligtum öffnest du unsere Herzen.
Stahlst durch die Jahrhunderte in der Schönheit deiner Lebendigkeit,
und der Bronzene Reiter verkörpert deinen Atem.
Unbezwingbar - du hast in den Jahren
alle Stürme und Winde überwunden!
Mit Meeresseele,
unsterblich, wie Russland,
Fregatten, schwimmend unter dem Segel Peters!
Sankt Petersburg, bleibe für immer jung!
Dein Ehrentag verklärt dich.
So gedeihe, unsere schöne Stadt,
die größte Ehre - ein gemeinsames Schicksal zu verleben.
Mit diesen Worten grüße ich mein Petersburg, möge es noch viele Jahre stehen und viele gute Akademiker hervorbringen.
An diesem Wochenende haben wir den 308. Geburtstag unserer Wahlheimatstadt gefeiert. Es war ein großes Ereignis mit allerlei Gästen von fern und nah, akrobatischen Einlagen, Bands und Festumzügen. Zur feierlichen Eröffnung hatte man ein Akrobatenteam aus Frankreich eingeladen. Auf dem Schlossplatz waren mehrere große Gerüste aufgebaut und auch zwei große Kräne - alle mit Drahtseilen verbunden. Die Artisten sind dann in Engelskostümen über den ganzen Platz gesaust und haben aus verschiedenen Behältnissen Daunenfedern und goldenes Konfetti fallen lassen. Es gab ungefähr 20 Engel, die verschiedene Bilder dargestellt haben. Erinnert hat mich das ganze an die Engelshow im 3. Stock der Manufaktur der Träume, nur das das hier natürlich ein reiner Abklatsch der Grazie der Darstellung in Annaberg war. Die Hymne der Stadt wurde auch vielfach gespielt. Ich möchte sie hier kurz übersetzen:
Du hohe Stadt, thronend an der Newa,
Wie ein wunderbares Heiligtum öffnest du unsere Herzen.
Stahlst durch die Jahrhunderte in der Schönheit deiner Lebendigkeit,
und der Bronzene Reiter verkörpert deinen Atem.
Unbezwingbar - du hast in den Jahren
alle Stürme und Winde überwunden!
Mit Meeresseele,
unsterblich, wie Russland,
Fregatten, schwimmend unter dem Segel Peters!
Sankt Petersburg, bleibe für immer jung!
Dein Ehrentag verklärt dich.
So gedeihe, unsere schöne Stadt,
die größte Ehre - ein gemeinsames Schicksal zu verleben.
Mit diesen Worten grüße ich mein Petersburg, möge es noch viele Jahre stehen und viele gute Akademiker hervorbringen.
Freitag, 20. Mai 2011
Zusatz
Unsere Heizung ist schon seit einer Woche abgeschaltet. Das Benutzen zusätzlicher Bettdecken ist also strengstens empfohlen.
Neuste Neuigkeiten
Da ich jetzt so oft von Vergangenem schrieb, werde ich mich mal wieder der Gegenwart zuwenden. Die Hitzewelle ist vorbei, ich habe meine Sommerjacke in den Schrank gehängt und meine Winterstiefel rausgeholt. Es regnet. Ich hätte ja mittlerweile nicht mehr erwartet, Regen zu sehen, nachdem ich schon meine Sandalen in den Sand gestreckt hatte. Es gibt ja noch vom Tag des Sieges zu berichten, aber das verschiebe ich auf ein anderes Mal.
Ich möchte nun einem Wunsch meiner Mutter nachgehen und vom Wohnheimleben erzählen. Bevor ich beginne, noch eine kleine Begebenheit. Ich saß mit Hermann in einem O-Bus auf dem Nevskij-Prospekt und wir standen ganz vorn an einer roten Ampel. Sie wurde grün, aber wir wurden gemein von den straßenausnutzenden Autofahrern geschnitten und konnten uns keinen Zentimeter bewegen. In der nächsten Grünphase ging es uns nicht besser. Als der Busfahrer die dritte Möglichkeit weiterzufahren verpasst hatte, fing ein altes Mütterchen, das relativ weit vorn saß, an zu zetern, er möge doch endlich fahren, er habe ja schon drei Grünphasen verpasst. Sie beschuldigte ihn der Unfähigkeit und beschwerte sich dann weiter beim Kontrolleur, sie solle doch vorgehen und dem gnädigen Busfahrer sagen, dass er endlich auch die anderen schneiden muss. Binnen Sekunden wurden alle anderen alten Mütterchen im Bus wach und riefen, oder unterhielten sich untereinander über den Verkehr, die langsamen Busse und natürlich unseren unfähigen Busfahrer. Wir saßen hinten und haben uns nur köstlich amüsiert, wobei ich bestätigen kann, dass der Fahrer die Größe seines fahrbaren Untersatzes wirklich besser ausnutzen könnte. Die nächste Phase haben wir geschafft.
Nun zum Leben im Wohnheim. Viel gibt es nicht zu erzählen. Im Auslandssemester kommt es allen Gaststudenten doch eher aufs Lernen als aufs Feiern an. Wie dem auch sei, Parties in der Größenordnung von 2 Wohnungen sind zumindest für die ersten zwei Monate keine Sonderheit und zum Glück bin ich immer schon weg, wenn der Wächter von unten die Sause beendet. Strafen wie Flurwischen oder andere Säuberungsaktionen sind in dieser Zeit auch recht häufig. Ich bin überhaupt überrascht, dass man das mit "erwachsenen" Menschen noch machen darf und das sie sich das gefallen lassen, aber es scheint, dass in Russland immer die älteren Leute recht haben.
Putzfrauen routieren. Das habe ich in diesem Semester schmerzlich erfahren müssen. Unsere schon so gut herangezogene Lena wurde einem anderen Flur zugewiesen, aber die Neue ist auch nicht schlecht. Ich kann schon verstehen, dass das als Gegenmaßnahme gegen persönliche Gefallen sinnvoll ist. Wir bekommen aber ständig gesagt unseren Alkohol in den Schränken zu verstecken, weil man eigentlich keinen auf seinem Zimmer haben darf. Jugendherbergs-Feeling. Vor kurzem wurden Fernsehre inspiziert. Meiner hat ja noch nie funktioniert, ich weiß nicht mal, wo man den anschalten kann, aber mein Zimmer blieb auch verschont vom strengen und allsehenden AUGE der Oberaufseherin über Einrichtungsgegenstände. Es gibt also eine Kommandantin, die ist für die Platzzuordnung verantwortlich und dann eine Wäschefrau, eine Deckenfrau (bei der man am Ende seines Aufenthaltes seine Decken in aller Ordnung abgeben und eine Unterschrift entgegennehmen muss), viele Angestellte und die, meiner Meinung nach, schrecklichste von allen, die Oberaufseherin über Haus, Kram und Krempel. Sie prüft nach, ob die Fenster richtig geputzt wurden. Sie Geht jedes Semester durch alle Zimmer und prüft die Möbelbestände, sie steht immer hinter jeder Putzfrau und schaut ihr auf die Finger, sie ist gnadenlos, skrupellos und ihrem Wohnheim treu, sie ist die Supernanny für alle bösen ausländischen Stundenten und man hat immer das Gefühl auf jeden Fall zu dieser Gruppe hinzuzugehören. Nun steht ja auf jedem Möbelstück irgendwo die Nummer der Wohnung drauf, in die es gehört. Das ist sinnvoll und hat uns schon früher immer Stühle hin und her tragen lassen müssen. Aber auch die Fernsehre und passenden Bedienungen sind mit einer Nummer versehen und just in meinem Nachbarzimmer stand ein Fernseher mit einer anderen Nummer! Da war nur noch Heulen und Zähneklappern! Die Oberaufseherin schickte sofort eine Unteraufseherin (ich glaube, die mit Zettel und Stift), um in dem anderen Zimmer auf die Nummer zu schaun. Dann nahmen sie den Ferhseher mit. Nach ca einer Stunde brachen die 4! Frauen ihn unversehrt, aber mit passender Nummer zurück und verlangten, einen Tisch für ihn frei zu machen. In jedem Zimmer gibt es ein kleines Fernsehtischchen, aber in einigen Zimmern (mit den alten Möbeln) gibt es nur einen Schreibtisch, weswegen der kleine Tisch zwangsläufig als Abstellfläche genutzt, und der nie benutzte Fernseher abgestellt werden. Wohin nun mit der Geißel der Menschheit? Wieder auf den Boden, aber der war sehr dreckig. Also mussten meine lieben Mitbewohnerinnen erst einmal vor aller AUGEN wischen und dann noch einen Kopfkissenbezug opfern, um das gute Stück einzuwickeln. Seit diese Spielereien vorbei sind, sehe ich die gute Oberaufseherin fast jeden Morgen im Fahrstuhl und dränge mich immer ängstlich in eine Ecke, auf das sie mich nicht in meinem letzten Monat noch nach Peterhof (4 Stunden bis zur Uni) verbannt. Nur Guten Morgen trau ich mir zu sagen.
Der Rest des Personales kennt mich aber schon recht gut. Fast alle Rezeptionistinnen stellen meinen Schlüssel raus, sobald sie mich durch die Tür kommen und meinen Eingangspass vorzeigen sehen. Die wissen also, wo ich wohne! Das ist cool, das werd ich ein wenig vermissen. Auch allein zu wohnen hat seine reine Positivität verloren. Ich habe ja mein Leben lang ein eigenes Zimmer besessen, aber zu Zweit wohnen kann auch nett sein. Was menschliche Beziehungen im Wohnheim betrifft, vereinfacht die Entfernung, Kontakt zu halten. Sich auf einen Tee zu treffen ist also schneller entschieden und umfasst nicht das Anziehen von ordentlicher Kleidung oder Straßenschuhen. Alles sehr einfach, so wie man das von daheim gewöhnt ist.
Ich möchte nun einem Wunsch meiner Mutter nachgehen und vom Wohnheimleben erzählen. Bevor ich beginne, noch eine kleine Begebenheit. Ich saß mit Hermann in einem O-Bus auf dem Nevskij-Prospekt und wir standen ganz vorn an einer roten Ampel. Sie wurde grün, aber wir wurden gemein von den straßenausnutzenden Autofahrern geschnitten und konnten uns keinen Zentimeter bewegen. In der nächsten Grünphase ging es uns nicht besser. Als der Busfahrer die dritte Möglichkeit weiterzufahren verpasst hatte, fing ein altes Mütterchen, das relativ weit vorn saß, an zu zetern, er möge doch endlich fahren, er habe ja schon drei Grünphasen verpasst. Sie beschuldigte ihn der Unfähigkeit und beschwerte sich dann weiter beim Kontrolleur, sie solle doch vorgehen und dem gnädigen Busfahrer sagen, dass er endlich auch die anderen schneiden muss. Binnen Sekunden wurden alle anderen alten Mütterchen im Bus wach und riefen, oder unterhielten sich untereinander über den Verkehr, die langsamen Busse und natürlich unseren unfähigen Busfahrer. Wir saßen hinten und haben uns nur köstlich amüsiert, wobei ich bestätigen kann, dass der Fahrer die Größe seines fahrbaren Untersatzes wirklich besser ausnutzen könnte. Die nächste Phase haben wir geschafft.
Nun zum Leben im Wohnheim. Viel gibt es nicht zu erzählen. Im Auslandssemester kommt es allen Gaststudenten doch eher aufs Lernen als aufs Feiern an. Wie dem auch sei, Parties in der Größenordnung von 2 Wohnungen sind zumindest für die ersten zwei Monate keine Sonderheit und zum Glück bin ich immer schon weg, wenn der Wächter von unten die Sause beendet. Strafen wie Flurwischen oder andere Säuberungsaktionen sind in dieser Zeit auch recht häufig. Ich bin überhaupt überrascht, dass man das mit "erwachsenen" Menschen noch machen darf und das sie sich das gefallen lassen, aber es scheint, dass in Russland immer die älteren Leute recht haben.
Putzfrauen routieren. Das habe ich in diesem Semester schmerzlich erfahren müssen. Unsere schon so gut herangezogene Lena wurde einem anderen Flur zugewiesen, aber die Neue ist auch nicht schlecht. Ich kann schon verstehen, dass das als Gegenmaßnahme gegen persönliche Gefallen sinnvoll ist. Wir bekommen aber ständig gesagt unseren Alkohol in den Schränken zu verstecken, weil man eigentlich keinen auf seinem Zimmer haben darf. Jugendherbergs-Feeling. Vor kurzem wurden Fernsehre inspiziert. Meiner hat ja noch nie funktioniert, ich weiß nicht mal, wo man den anschalten kann, aber mein Zimmer blieb auch verschont vom strengen und allsehenden AUGE der Oberaufseherin über Einrichtungsgegenstände. Es gibt also eine Kommandantin, die ist für die Platzzuordnung verantwortlich und dann eine Wäschefrau, eine Deckenfrau (bei der man am Ende seines Aufenthaltes seine Decken in aller Ordnung abgeben und eine Unterschrift entgegennehmen muss), viele Angestellte und die, meiner Meinung nach, schrecklichste von allen, die Oberaufseherin über Haus, Kram und Krempel. Sie prüft nach, ob die Fenster richtig geputzt wurden. Sie Geht jedes Semester durch alle Zimmer und prüft die Möbelbestände, sie steht immer hinter jeder Putzfrau und schaut ihr auf die Finger, sie ist gnadenlos, skrupellos und ihrem Wohnheim treu, sie ist die Supernanny für alle bösen ausländischen Stundenten und man hat immer das Gefühl auf jeden Fall zu dieser Gruppe hinzuzugehören. Nun steht ja auf jedem Möbelstück irgendwo die Nummer der Wohnung drauf, in die es gehört. Das ist sinnvoll und hat uns schon früher immer Stühle hin und her tragen lassen müssen. Aber auch die Fernsehre und passenden Bedienungen sind mit einer Nummer versehen und just in meinem Nachbarzimmer stand ein Fernseher mit einer anderen Nummer! Da war nur noch Heulen und Zähneklappern! Die Oberaufseherin schickte sofort eine Unteraufseherin (ich glaube, die mit Zettel und Stift), um in dem anderen Zimmer auf die Nummer zu schaun. Dann nahmen sie den Ferhseher mit. Nach ca einer Stunde brachen die 4! Frauen ihn unversehrt, aber mit passender Nummer zurück und verlangten, einen Tisch für ihn frei zu machen. In jedem Zimmer gibt es ein kleines Fernsehtischchen, aber in einigen Zimmern (mit den alten Möbeln) gibt es nur einen Schreibtisch, weswegen der kleine Tisch zwangsläufig als Abstellfläche genutzt, und der nie benutzte Fernseher abgestellt werden. Wohin nun mit der Geißel der Menschheit? Wieder auf den Boden, aber der war sehr dreckig. Also mussten meine lieben Mitbewohnerinnen erst einmal vor aller AUGEN wischen und dann noch einen Kopfkissenbezug opfern, um das gute Stück einzuwickeln. Seit diese Spielereien vorbei sind, sehe ich die gute Oberaufseherin fast jeden Morgen im Fahrstuhl und dränge mich immer ängstlich in eine Ecke, auf das sie mich nicht in meinem letzten Monat noch nach Peterhof (4 Stunden bis zur Uni) verbannt. Nur Guten Morgen trau ich mir zu sagen.
Der Rest des Personales kennt mich aber schon recht gut. Fast alle Rezeptionistinnen stellen meinen Schlüssel raus, sobald sie mich durch die Tür kommen und meinen Eingangspass vorzeigen sehen. Die wissen also, wo ich wohne! Das ist cool, das werd ich ein wenig vermissen. Auch allein zu wohnen hat seine reine Positivität verloren. Ich habe ja mein Leben lang ein eigenes Zimmer besessen, aber zu Zweit wohnen kann auch nett sein. Was menschliche Beziehungen im Wohnheim betrifft, vereinfacht die Entfernung, Kontakt zu halten. Sich auf einen Tee zu treffen ist also schneller entschieden und umfasst nicht das Anziehen von ordentlicher Kleidung oder Straßenschuhen. Alles sehr einfach, so wie man das von daheim gewöhnt ist.
Mittwoch, 18. Mai 2011
Geburtstagsfeier
Mein Geburtstag und die Woche davor waren unspektakulär und eigentlich nicht erwähnenswert, wenn es nicht mein Geburtstag gewesen wäre. Da wir am selben Abend mit dem Nachtzug nach Moskau aufbrechen wollten, hatte ich nur ein kleines Abendessen für meine beiden Mitbewohnerinnen zubereitet. Ja, richtig, wir waren zu diesem Zeitpunkt nur noch zu dritt, denn meine liebe Linda hatte sehr spontan eine neue Wohnung in der Nähe ihres Freundes gefunden und ist zum 29.04. ausgezogen. Ich war natürlich weniger begeistert, aber die Moskaureise hatte mich erst ein mal fest im Gedankengriff. Das Abendessen war italienisch, Bruscetta und Nudeln mit Fisch-Broccoli-Käse-Sauce. Noch in der vorigen Nacht hatten mir alle vier einen Mitternachts-Kuchen- und Sektempfang bereitet.
Kurz vor Mitternacht des 29. Aprils fuhren wir dann zum Moskauer Bahnhof. Wir, das waren meine beiden bezaubernden Mitbewohnerinnen, Silvia aus Österreich, die wie meine liebe Vera aus dem letzten Semester in Salzburg studiert, und Adam aus den USA. Wir waren natürlich eineinhalb Stunden zu früh am Bahnsteig und nutzten die Zeit, um Getränke und Verpflegung für die 8 Stunden lange Fahrt in einem engen russischen Zug zu besorgen. Die Preise am Bahnhof sind übrigens horrend, man sollte besser den Weg zum nächsten Supermarkt auf sich nehmen.
Der Zug selbst war lang und wir mussten natürlich an der allerletzten Tür einsteigen. Nachdem wir also unser Gepäck die 30 Wagons entlanggeschleppt hatten wurde mit dem Reisepass das Ticket kontrolliert und die Bettensuche begonnen. Die Nummern waren fast unmöglich zu lesen und wir sind zwei mal durch den Wagen gelaufen bis wir unsere Privatquartiere gefunden hatten. Privat beschreibt es übrigens sehr gut. Man stelle sich einen normalen Wagon mit Abteilen auf der einen und einem Gang auf der anderen Seite vor. In diesem speziellen Schlafwagen wurde die Vorderwände der Abteile ausgebaut und im Gang am Fenster noch ein Doppelstockbett installiert, so dass praktisch in jedem Abteil des Zuges 6 Menschen schlafen konnten. Wieder allen Erwartens war es weder stickig noch heiß und man konnte wirklich gut schlafen. Gegen 10 waren wir in Moskau und sind gleich in unser Hostel gefahren. Die Metro ist viel komplizierter und weitläufiger als in St. Petersburg. Manchmal musste man gefülte fünf Kilometer laufen um von einer zur andere Linie zu wechseln; das passiert einem in Petersburg zum Glück nicht. Das Hostel war erträlich und nur 30 Gehminuten vom Roten Platz entfernt. Gleich am ersten Tag haben wir diesen auch besichtigt, nur leider war Lenin für die nächste Woche geschlossen. Die Basilika ist natürlich wunderschön, aber ich würde sagen, bis auf die Kunstgalerien, die wir in Moskau besichtigt haben, war nichts vergleichbar schön wie daheim in Petersburg. Die Stadt ist noch größer, ganz anders gebaut, sowjetischer und gar nicht aus Holz. Der Kreml ist auch sehr nett. Wir haben in Gorky Park das Lied Wind of Change gesungen und mit Pantomimen getanzt. Alles in allem war es ein befriedigender Kurzurlaub und wir haben wirklich viel gesehen in den drei Tagen. Petersburg ist mir aber um einiges lieber als Moskau; die Leute sind einfach netter.
Kurz vor Mitternacht des 29. Aprils fuhren wir dann zum Moskauer Bahnhof. Wir, das waren meine beiden bezaubernden Mitbewohnerinnen, Silvia aus Österreich, die wie meine liebe Vera aus dem letzten Semester in Salzburg studiert, und Adam aus den USA. Wir waren natürlich eineinhalb Stunden zu früh am Bahnsteig und nutzten die Zeit, um Getränke und Verpflegung für die 8 Stunden lange Fahrt in einem engen russischen Zug zu besorgen. Die Preise am Bahnhof sind übrigens horrend, man sollte besser den Weg zum nächsten Supermarkt auf sich nehmen.
Der Zug selbst war lang und wir mussten natürlich an der allerletzten Tür einsteigen. Nachdem wir also unser Gepäck die 30 Wagons entlanggeschleppt hatten wurde mit dem Reisepass das Ticket kontrolliert und die Bettensuche begonnen. Die Nummern waren fast unmöglich zu lesen und wir sind zwei mal durch den Wagen gelaufen bis wir unsere Privatquartiere gefunden hatten. Privat beschreibt es übrigens sehr gut. Man stelle sich einen normalen Wagon mit Abteilen auf der einen und einem Gang auf der anderen Seite vor. In diesem speziellen Schlafwagen wurde die Vorderwände der Abteile ausgebaut und im Gang am Fenster noch ein Doppelstockbett installiert, so dass praktisch in jedem Abteil des Zuges 6 Menschen schlafen konnten. Wieder allen Erwartens war es weder stickig noch heiß und man konnte wirklich gut schlafen. Gegen 10 waren wir in Moskau und sind gleich in unser Hostel gefahren. Die Metro ist viel komplizierter und weitläufiger als in St. Petersburg. Manchmal musste man gefülte fünf Kilometer laufen um von einer zur andere Linie zu wechseln; das passiert einem in Petersburg zum Glück nicht. Das Hostel war erträlich und nur 30 Gehminuten vom Roten Platz entfernt. Gleich am ersten Tag haben wir diesen auch besichtigt, nur leider war Lenin für die nächste Woche geschlossen. Die Basilika ist natürlich wunderschön, aber ich würde sagen, bis auf die Kunstgalerien, die wir in Moskau besichtigt haben, war nichts vergleichbar schön wie daheim in Petersburg. Die Stadt ist noch größer, ganz anders gebaut, sowjetischer und gar nicht aus Holz. Der Kreml ist auch sehr nett. Wir haben in Gorky Park das Lied Wind of Change gesungen und mit Pantomimen getanzt. Alles in allem war es ein befriedigender Kurzurlaub und wir haben wirklich viel gesehen in den drei Tagen. Petersburg ist mir aber um einiges lieber als Moskau; die Leute sind einfach netter.
Mittwoch, 4. Mai 2011
Österliche Nachtanstrengung mal anders
'S wird wohl Zeit meinen Blog auf den neusten Stand zu bringen. Zum Einen soll der neue Hintergrund beruhigender wirken und zum entspannten Lesen anregen; zum Anderen werde ich die großen Abenteuer der letzten Wochen ausführlich zusammenfassen.
Ostern war fast so schön wie daheim, nur die Familie hat gefehlt. Wer glaubt, ich hätte heidnische Ostern gefeiert, der liegt genau richtig. Wir haben Ostereier gefärbt und banderolisiert, ganze 9 Stück! Eigentlich hat es sich bei dieser Zahl gar nicht gelohnt, aber um Ostern Willen konnte ich nicht widerstehen. Stimmung war also vorhanden, Motivation auch, nur die Mittäter waren nicht besonders zahlreich. Linda ist sowieso ständig bei ihrem Freund, nicht das ich ihr das übel nehme, aber ich nehme es ihr zu Ostern ein wenig krumm. Katja hatte nachdem wir unsere Osternpläne vorgelegt hatten, rigoros ihre eigenen verfolgt, aber sie hätte die Möglichkeit gehabt, sich uns anzuschließen und bewusst einen anderen Weg gewählt. So haben Emily und ich Eier gefärbt, ein gackerndes Huhn aus einem Joghurtbecher gebastelt (nein, ich habe gar nichts von meiner Mutter geerbt!) und sind Osteressen-einkaufen gegangen. Mittag war leider nicht drin, aber Sonntagabend hatten alle ein paar Minuten Zeit, unser Gekochtes zu genießen. Ich gebe zu, ein wenig sauer auf die niedrige Osterbeteiligung gewesen zu sein, aber es war trotzdem schön.
Wichtiger als das Essen war jedoch die Osternacht. Emily und ich hatten uns relativ spontan entschieden gegen 23:30 in eine, zwei Gehstunden entfernte, orthodoxe Kirche zu gehen und uns von Weihrauch und Popegesängen eindämmern zu lassen. Im internet hatten wir noch gelesen, mal soll sich weiß und rot anziehen und sehr festlich gehen. Also haben wir unsere besten Sachen angezogen und sind im schützenden Dinkel der Nacht aufgebrochen. Als wir ankamen, war natürlich alles schon in vollem Gange. Also insofern man überhaupt ein Element dieses Gottensdienstes als in vollem Gang bezeichnen kann. Es war auf jeden Fall interessant, aber leider auch wahnsinnig langweilig. Also: Als wir eintraten, sangen die Priester gerade abwechselnd mit dem Chor undefinierbare Zeilen. Der ganze Gottesdienst war auf altrussisch, was heißt ich hatte nicht einmal eine faire Chance etwas zu verstehen. Kurz vor Zwölf wurde eine Gasse im Kirchenraum gebildet und der Altarraum hinter der Ikonostase geöffnet. Man sah die Priester Vorbereitungen machen. Es gab übrigens einen älteren Hauptpriester und vier Nebenpriester. Die Helfer habe ich nicht gezählt, aber es gab sicherlich mehr als sechs. Alle waren in wunderschöne Roben gehüllt, zu Beginn einfaches Schwarz. Bei ihren Vorbereitungen für den Tageswechsel zogen sie sich aber alle weiße, mir silbernem Faden kunstvoll bestickte Roben über, wobei die Helfer "einfacher" gekleidet waren als die Priester selbst und jeder bekam ein Kreuz, ein Banner oder eine Ikone in die Hand und sie zogen aus der Kirche hinaus. Dabei sangen sie ein Lied von den Qualen und der Auferstehung Jesu. Wir, als Gemeinde, zogen hinterher und freuten uns schon auf ein wenig Frischluft und Bewegung der Beine, aber als ungefähr ein Drittel der Leute ausgezogen war, wurden einfach die Türen der Kirche geschlossen. Der einzigen Ausgang. Wir hatten eine Woche zuvor den Film "Der Patriot" geschaut, in dem ein ganzes Dorf in einer Kirche eingeschlossen und verbrannt wurde, als waren wir ein wenig verwundert und unschlüssig.
Nach ein paar Minuten hörten wie die Gesänge zurückkommen und jemand klopfte lautstark an die Tür, um eingelassen zu werden. Es war der Oberste. Er war auch der erste, der Христос Воскресe (Christos Woskrese - Der Herr ist auferstanden) rief, worauf die Gemeinde lautstark und aus vollem Herzen antwortete: Воистину Воскрес (Woistinu Woskres - Er ist wahrhaftig auferstanden). Das wiederholte sich dann noch viele Male. Während der Festzug die Kirche wieder hinabzog, zündeten alle Orthodoxen ihre Kerzen an und, zu meiner Überraschung, wurden die Leuchtschilder über der Ikonostase angeschaltet. Ich hatte eingentlich geglaubt, es wären einfache Schilder, rote Schrift auf goldenem Metall, aber zu Mitternacht wurde der Schalter umgelegt und die Auferstehung Christi mit einem rot leuchtenden Schriftzug beworben (Христос Воскресе - Воистину Воскресе). Ein amüsamtes Detail zwischen den vielen Gesängen, die ich nicht kannte. Es war 12:00.
Danach gings aber erst richtig los, mit der Langeweile, denn ich kann sagen, dass dies der aktivste Teil des Gottesdienstes gewesen war. Und das ewige Stehen begann. Während der nächsten 3 Stunden zog sich der Oberste 8 Mal um und legte alle seine festlichsten Gewänder an. Das war schon eine Schau, aber leider lag zwischen jeder Bahn Stoff 20 Minuten Gesang, Räuchern, Segnen und viel Chor. Die Leute schienen wie verzaubert und bewegten sich kaum. Erst nach 2 Stunden gingen die ersten und manche begannen von einem auf den anderen Fuß zu treten. Wir hatten in diesem Stadium schon mehrmals um starke Muskeln und feste Füße gebetet und konnten kaum noch dem Drang widerstehen uns einfach hinzusetzen, wo wir standen. Außerdem setzte die Müdigkeit ein. Es war 2:00.
Eine weitere Stunde später wurden alle heiligen Schriften der Kirche eine Runde um die Ikonostase getragen und besungen. Es waren wirklich schön eingebundene Bücher mit goldenen Metallrücken und großartiger Schmiedearbeit, aber man hätte das alles viel kürzer gestalten können! Die Priester hatten sich übrigens ein letztes Mal umgezogen und trugen jetzt alle wirklich schöne rote Roben und der Oberste hatte eine passende Krone bekommen (die erste war weiß-gold, die zweite rot-gold). Um die Bibelgeschichte interessanter zu gestalten, nahm der Oberste ab und zu seine Krone ab und küsste die heilige Schrift und den Altar hinter der Ikonostase. Dann wurde ihm das Ding wieder auf den Kopf gedrückt, nur um für die nächste Bibel wieder abgenommen zu werden (Es gab 3 Bibeln). Der Priester, der für das Abstellen der Krone verantwortlich war, musste übrigens immer den Handrücken des Obersten küssen, wenn er die ach so kaiserliche Kopfbedeckung berührte. Überhaupt gab es in diesem Teil sehr viel Geküsse. Alle Priester küssten einander gegenseitig auf die Hände und natürlich jeder dem Obersten und die Gläubigen fingen an, die Ikonen in der Kirche abzuschlecken. Ich hatte Emily schon 2 Mal gefragt, ob sie bis zum Ende bleiben wollte und sie hatte immer mit ja geantwortet. Das bereitete mir ein wenig Sorge, weil ich nicht mehr stehen konnte und gern gelegen hätte, auch um zu schlafen. Es war schon 2:45.
Dann kam ein Teil, den ich verstand. Glaubensbekenntnis, Vater unser und die ersten Vorbereitungen für das Abendmahl. Das Ende konnte also nicht mehr so weit weg sein und ich könnte bald nach Hause. Eine andere Sorge war in diesem Moment, ob ich nach Hause laufen, oder gehen müsste. Denn wer weiß, wie viele Autos in der Osternach unterwegs sind und Taxidienste anbieten. Aber erst mal das Ende des Gottesdienstes abwarten. Wer weiß, vielleicht würde die Metro schon wieder öffnen, wenn wir fertig sind (öffnet halb sechs). ich hielt das zu diesem Zeitpunkt für sehr warhrscheinlich, denn wenn die Roben und die Bibeln schon 3 Stunden gedauert haben, wie lang würde dann erst der wichtige Teil des Gottesdienstes werden!?
Just in diesem Moment fragte mich Emily, ob ich denn auch nach vorn gehn und die Ikone küssen würde und da ging mir das Osterlicht auf. Sie selbst ist ja nicht religiös und sie dachte, das wäre für mich wichtig und ich wöllte gern bleiben. Sie wollte höflich sein! Kommunikation ist wirklich alles, in der heutigen Zeit. Ich war schon seit 2 Stunden bereit zu gehen und bin nur geblieben, weil sie immer zu bis zum Ende bleiben wollte und sie dachte ich will die Ikone küssen! Wir hätten das vorher wirklich absprechen sollen. Sobald wir unsere übereinstimmende Ermüdung erkannt hatten, waren wir auch schon vor der Tür und auf der Suche nach einem Taxi. Der Clou der Nacht: wir hatten einen taub-stummen Taxifahrer, mit dem ich per Zettel Geschäft gemacht habe. Das war mir auch neu, dass die fahren können, aber sie können ja wenigstens sehen und ich nehme an, sie sind aufmerksamer, als die Idioten, die mit lauter Musik und Glimmstengel die Stadt unsicher machen. Wir waren froh in unseren Betten anzukommen und hatte zum Glück keine 5 Uhr Ostermesse, aber sicherlich einen ebenso anstrengenden Osterstand im Vergleich zum heimischen Ostermarsch.
Kloßteig und marinierte Hühnerbeine hatten wir schon am Abend zuvor fertiggestellt und mussten fürs Abendessen nur noch die Möhren glasieren und Klöße formen. Ich hatte 6 Kilo Kartoffeln geschält für 6 Personen. Abzüglich der Schalen und des Wassers bleiben ja sowieso nur 4 Kilo übrig, ich befand meine Kalkulation also als berechtigt. Es gab für jeden ja auch nur ein Hühnerbein. Die lagen in einer scharfen Honig/Wein/Tomaten/Senf/Pfeffer/Sojasaucen/und viele andere Sachen - Marinade und schmeckten großartig. Wir haben sie gekocht und sie zergingen auf der Zunge. Die Möhren waren wirklich süß, passten aber perfekt zum Huhn; die Klöße waren die einzgen echten Sorgenkinder. Die ersten zerkochten völlig, worauf ich Omas Stärke in großen Mengen hinzufügte. Danke dafür! Als ich dann auch die richtige Temperatur gefunden hatte, gabs köstliche Klöße, von denen nur ein Minimum an Teig im Wasser verblieb. Die Wassertemperatur ist das wirkliche Geheimnis beim Klöße kochen! Wenn die nicht stimmt, ist alles vergäblich (nein, das ist kein Rechtschreibfehler, das ist ein erzgebirgisches Verb, zu übersetzten als 'klein und schrumpelig', in diesem Fall aber eher im Wasser völlig aufgelöst, in anderen Fällen auch schwach, hilflos oder ohne Erfolg (die erzgebirgische Sprache ist grenzenlos)). Essen war lecker, Nachtisch war mohnig und dann habe ich schnell noch die Osterkörbchen in der Küche versteckt. Man glaubt gar nicht, wie viele Verstecke es in einem so kleinen Raum geben kann, aber die Leute haben bestimmt 5 Minuten gesucht. Ich habe also meines Vaters Talent geerbt.
Ostermontag gibt es in Russland nicht und selbts an Ostern haben alle Lebensmittelgeschäfte geöffnet. So ein richtiger Feiertag ist es also nicht. Aber lange und mehr oder weniger sinnlose Gottesdienste gibts im ganzen Land. Obwohl ich ja schon froh bin, das wir es so lang ausgehalten haben. Ich hätte sonst "viel" verpasst. An Handlungen gab es ja nicht so viel, der Gesang überwiegt und die Zeremonie. Ohne das wäre es um mehrere Stunden kürzer, interessanter und besser auszuhalten. Ich kann immer noch nicht glauben, dass die ganzen alten Leute so gut gestanden haben. Sie sind eben einiges gewöhnt. Mein Fazit: Ein mal reicht völlig aus, aber ich empfehle jedem, die Möglichkeit zu nutzen. Schon allein um die Bekreuzigungen zu zählen. Ich hab irgendwann bei 200 den Faden und die Lust verloren, aber wenn mir jemand einen Mittelwert nennen kann, wäre ich sehr interessiert.
Ostern war fast so schön wie daheim, nur die Familie hat gefehlt. Wer glaubt, ich hätte heidnische Ostern gefeiert, der liegt genau richtig. Wir haben Ostereier gefärbt und banderolisiert, ganze 9 Stück! Eigentlich hat es sich bei dieser Zahl gar nicht gelohnt, aber um Ostern Willen konnte ich nicht widerstehen. Stimmung war also vorhanden, Motivation auch, nur die Mittäter waren nicht besonders zahlreich. Linda ist sowieso ständig bei ihrem Freund, nicht das ich ihr das übel nehme, aber ich nehme es ihr zu Ostern ein wenig krumm. Katja hatte nachdem wir unsere Osternpläne vorgelegt hatten, rigoros ihre eigenen verfolgt, aber sie hätte die Möglichkeit gehabt, sich uns anzuschließen und bewusst einen anderen Weg gewählt. So haben Emily und ich Eier gefärbt, ein gackerndes Huhn aus einem Joghurtbecher gebastelt (nein, ich habe gar nichts von meiner Mutter geerbt!) und sind Osteressen-einkaufen gegangen. Mittag war leider nicht drin, aber Sonntagabend hatten alle ein paar Minuten Zeit, unser Gekochtes zu genießen. Ich gebe zu, ein wenig sauer auf die niedrige Osterbeteiligung gewesen zu sein, aber es war trotzdem schön.
Wichtiger als das Essen war jedoch die Osternacht. Emily und ich hatten uns relativ spontan entschieden gegen 23:30 in eine, zwei Gehstunden entfernte, orthodoxe Kirche zu gehen und uns von Weihrauch und Popegesängen eindämmern zu lassen. Im internet hatten wir noch gelesen, mal soll sich weiß und rot anziehen und sehr festlich gehen. Also haben wir unsere besten Sachen angezogen und sind im schützenden Dinkel der Nacht aufgebrochen. Als wir ankamen, war natürlich alles schon in vollem Gange. Also insofern man überhaupt ein Element dieses Gottensdienstes als in vollem Gang bezeichnen kann. Es war auf jeden Fall interessant, aber leider auch wahnsinnig langweilig. Also: Als wir eintraten, sangen die Priester gerade abwechselnd mit dem Chor undefinierbare Zeilen. Der ganze Gottesdienst war auf altrussisch, was heißt ich hatte nicht einmal eine faire Chance etwas zu verstehen. Kurz vor Zwölf wurde eine Gasse im Kirchenraum gebildet und der Altarraum hinter der Ikonostase geöffnet. Man sah die Priester Vorbereitungen machen. Es gab übrigens einen älteren Hauptpriester und vier Nebenpriester. Die Helfer habe ich nicht gezählt, aber es gab sicherlich mehr als sechs. Alle waren in wunderschöne Roben gehüllt, zu Beginn einfaches Schwarz. Bei ihren Vorbereitungen für den Tageswechsel zogen sie sich aber alle weiße, mir silbernem Faden kunstvoll bestickte Roben über, wobei die Helfer "einfacher" gekleidet waren als die Priester selbst und jeder bekam ein Kreuz, ein Banner oder eine Ikone in die Hand und sie zogen aus der Kirche hinaus. Dabei sangen sie ein Lied von den Qualen und der Auferstehung Jesu. Wir, als Gemeinde, zogen hinterher und freuten uns schon auf ein wenig Frischluft und Bewegung der Beine, aber als ungefähr ein Drittel der Leute ausgezogen war, wurden einfach die Türen der Kirche geschlossen. Der einzigen Ausgang. Wir hatten eine Woche zuvor den Film "Der Patriot" geschaut, in dem ein ganzes Dorf in einer Kirche eingeschlossen und verbrannt wurde, als waren wir ein wenig verwundert und unschlüssig.
Nach ein paar Minuten hörten wie die Gesänge zurückkommen und jemand klopfte lautstark an die Tür, um eingelassen zu werden. Es war der Oberste. Er war auch der erste, der Христос Воскресe (Christos Woskrese - Der Herr ist auferstanden) rief, worauf die Gemeinde lautstark und aus vollem Herzen antwortete: Воистину Воскрес (Woistinu Woskres - Er ist wahrhaftig auferstanden). Das wiederholte sich dann noch viele Male. Während der Festzug die Kirche wieder hinabzog, zündeten alle Orthodoxen ihre Kerzen an und, zu meiner Überraschung, wurden die Leuchtschilder über der Ikonostase angeschaltet. Ich hatte eingentlich geglaubt, es wären einfache Schilder, rote Schrift auf goldenem Metall, aber zu Mitternacht wurde der Schalter umgelegt und die Auferstehung Christi mit einem rot leuchtenden Schriftzug beworben (Христос Воскресе - Воистину Воскресе). Ein amüsamtes Detail zwischen den vielen Gesängen, die ich nicht kannte. Es war 12:00.
Danach gings aber erst richtig los, mit der Langeweile, denn ich kann sagen, dass dies der aktivste Teil des Gottesdienstes gewesen war. Und das ewige Stehen begann. Während der nächsten 3 Stunden zog sich der Oberste 8 Mal um und legte alle seine festlichsten Gewänder an. Das war schon eine Schau, aber leider lag zwischen jeder Bahn Stoff 20 Minuten Gesang, Räuchern, Segnen und viel Chor. Die Leute schienen wie verzaubert und bewegten sich kaum. Erst nach 2 Stunden gingen die ersten und manche begannen von einem auf den anderen Fuß zu treten. Wir hatten in diesem Stadium schon mehrmals um starke Muskeln und feste Füße gebetet und konnten kaum noch dem Drang widerstehen uns einfach hinzusetzen, wo wir standen. Außerdem setzte die Müdigkeit ein. Es war 2:00.
Eine weitere Stunde später wurden alle heiligen Schriften der Kirche eine Runde um die Ikonostase getragen und besungen. Es waren wirklich schön eingebundene Bücher mit goldenen Metallrücken und großartiger Schmiedearbeit, aber man hätte das alles viel kürzer gestalten können! Die Priester hatten sich übrigens ein letztes Mal umgezogen und trugen jetzt alle wirklich schöne rote Roben und der Oberste hatte eine passende Krone bekommen (die erste war weiß-gold, die zweite rot-gold). Um die Bibelgeschichte interessanter zu gestalten, nahm der Oberste ab und zu seine Krone ab und küsste die heilige Schrift und den Altar hinter der Ikonostase. Dann wurde ihm das Ding wieder auf den Kopf gedrückt, nur um für die nächste Bibel wieder abgenommen zu werden (Es gab 3 Bibeln). Der Priester, der für das Abstellen der Krone verantwortlich war, musste übrigens immer den Handrücken des Obersten küssen, wenn er die ach so kaiserliche Kopfbedeckung berührte. Überhaupt gab es in diesem Teil sehr viel Geküsse. Alle Priester küssten einander gegenseitig auf die Hände und natürlich jeder dem Obersten und die Gläubigen fingen an, die Ikonen in der Kirche abzuschlecken. Ich hatte Emily schon 2 Mal gefragt, ob sie bis zum Ende bleiben wollte und sie hatte immer mit ja geantwortet. Das bereitete mir ein wenig Sorge, weil ich nicht mehr stehen konnte und gern gelegen hätte, auch um zu schlafen. Es war schon 2:45.
Dann kam ein Teil, den ich verstand. Glaubensbekenntnis, Vater unser und die ersten Vorbereitungen für das Abendmahl. Das Ende konnte also nicht mehr so weit weg sein und ich könnte bald nach Hause. Eine andere Sorge war in diesem Moment, ob ich nach Hause laufen, oder gehen müsste. Denn wer weiß, wie viele Autos in der Osternach unterwegs sind und Taxidienste anbieten. Aber erst mal das Ende des Gottesdienstes abwarten. Wer weiß, vielleicht würde die Metro schon wieder öffnen, wenn wir fertig sind (öffnet halb sechs). ich hielt das zu diesem Zeitpunkt für sehr warhrscheinlich, denn wenn die Roben und die Bibeln schon 3 Stunden gedauert haben, wie lang würde dann erst der wichtige Teil des Gottesdienstes werden!?
Just in diesem Moment fragte mich Emily, ob ich denn auch nach vorn gehn und die Ikone küssen würde und da ging mir das Osterlicht auf. Sie selbst ist ja nicht religiös und sie dachte, das wäre für mich wichtig und ich wöllte gern bleiben. Sie wollte höflich sein! Kommunikation ist wirklich alles, in der heutigen Zeit. Ich war schon seit 2 Stunden bereit zu gehen und bin nur geblieben, weil sie immer zu bis zum Ende bleiben wollte und sie dachte ich will die Ikone küssen! Wir hätten das vorher wirklich absprechen sollen. Sobald wir unsere übereinstimmende Ermüdung erkannt hatten, waren wir auch schon vor der Tür und auf der Suche nach einem Taxi. Der Clou der Nacht: wir hatten einen taub-stummen Taxifahrer, mit dem ich per Zettel Geschäft gemacht habe. Das war mir auch neu, dass die fahren können, aber sie können ja wenigstens sehen und ich nehme an, sie sind aufmerksamer, als die Idioten, die mit lauter Musik und Glimmstengel die Stadt unsicher machen. Wir waren froh in unseren Betten anzukommen und hatte zum Glück keine 5 Uhr Ostermesse, aber sicherlich einen ebenso anstrengenden Osterstand im Vergleich zum heimischen Ostermarsch.
Kloßteig und marinierte Hühnerbeine hatten wir schon am Abend zuvor fertiggestellt und mussten fürs Abendessen nur noch die Möhren glasieren und Klöße formen. Ich hatte 6 Kilo Kartoffeln geschält für 6 Personen. Abzüglich der Schalen und des Wassers bleiben ja sowieso nur 4 Kilo übrig, ich befand meine Kalkulation also als berechtigt. Es gab für jeden ja auch nur ein Hühnerbein. Die lagen in einer scharfen Honig/Wein/Tomaten/Senf/Pfeffer/Sojasaucen/und viele andere Sachen - Marinade und schmeckten großartig. Wir haben sie gekocht und sie zergingen auf der Zunge. Die Möhren waren wirklich süß, passten aber perfekt zum Huhn; die Klöße waren die einzgen echten Sorgenkinder. Die ersten zerkochten völlig, worauf ich Omas Stärke in großen Mengen hinzufügte. Danke dafür! Als ich dann auch die richtige Temperatur gefunden hatte, gabs köstliche Klöße, von denen nur ein Minimum an Teig im Wasser verblieb. Die Wassertemperatur ist das wirkliche Geheimnis beim Klöße kochen! Wenn die nicht stimmt, ist alles vergäblich (nein, das ist kein Rechtschreibfehler, das ist ein erzgebirgisches Verb, zu übersetzten als 'klein und schrumpelig', in diesem Fall aber eher im Wasser völlig aufgelöst, in anderen Fällen auch schwach, hilflos oder ohne Erfolg (die erzgebirgische Sprache ist grenzenlos)). Essen war lecker, Nachtisch war mohnig und dann habe ich schnell noch die Osterkörbchen in der Küche versteckt. Man glaubt gar nicht, wie viele Verstecke es in einem so kleinen Raum geben kann, aber die Leute haben bestimmt 5 Minuten gesucht. Ich habe also meines Vaters Talent geerbt.
Ostermontag gibt es in Russland nicht und selbts an Ostern haben alle Lebensmittelgeschäfte geöffnet. So ein richtiger Feiertag ist es also nicht. Aber lange und mehr oder weniger sinnlose Gottesdienste gibts im ganzen Land. Obwohl ich ja schon froh bin, das wir es so lang ausgehalten haben. Ich hätte sonst "viel" verpasst. An Handlungen gab es ja nicht so viel, der Gesang überwiegt und die Zeremonie. Ohne das wäre es um mehrere Stunden kürzer, interessanter und besser auszuhalten. Ich kann immer noch nicht glauben, dass die ganzen alten Leute so gut gestanden haben. Sie sind eben einiges gewöhnt. Mein Fazit: Ein mal reicht völlig aus, aber ich empfehle jedem, die Möglichkeit zu nutzen. Schon allein um die Bekreuzigungen zu zählen. Ich hab irgendwann bei 200 den Faden und die Lust verloren, aber wenn mir jemand einen Mittelwert nennen kann, wäre ich sehr interessiert.
Montag, 18. April 2011
Petersburg neu erleben
Hermann ist gut angekommen. Wir hatten ein paar Schwierigkeiten, uns am Flughafen zu finden, aber von da an ging alles glatt. Er ist natürlich ziemlich müde, aber wir haben heute 5 Kirchen geschafft und den ganzen Nevskij.
Das Wochenende war auch ereignisreich. Am Donnerstag hatte ich ein 4 1\2 Stunden Seminar zum Buch von Sarrazin "Deutschland schafft sich ab". Es war sehr interessant und ich habe mir eine gute Meinung zu diesem Thema bilden können. Etwas, was ich wiedereinmal an Deutschen erkannt habe und was auf sehr viele zutrifft und uns das individuelle Leben schwer macht, ist, dass jeder gern hätte, das der andere lebt, sich anzieht und handelt, wie man selbst. Das ist natürlich nicht nur eine deutsche Krankheit, sondern hat sich auch in vielen anderen Ländern ausgebreitet, aber Sarrazin ist ein gutes Beispiel dafür. Abgesehen davon haben seine Argumente zwar nicht immer Hand und Fuß, aber der Ansatz ist gut und war schon alange überflüssig in der deutschen Politik.
Am Samstag haben wir mit einem ungarischen Nachbarn Pfefferkrustenhühnchen gekocht. Es gab nur Fleisch und Nudeln (sehr männlich), ein bisschen Gemüse haben wir dann später noch gegessen. Danach gab es eine Runde Starwars, aber die Jungs haben nur die erste Stunde durchgehalten, dann sind sie schlafen gegangen. Das nacksche Hühnchen war wohl das einzig männliche ;) Am Sonntag hatten wir einen schönen Gottestdienst, doch bevor wir gegangen sind, hat uns Linda eröffnet, dass ihr Freund am Abend zuvor um ihre Hand angehalten hat und sie jetzt verlobt sind. Natürlich eine sehr erfreuliche Nachricht. Wir haben den ganzen Sonntag nur noch von Hochzeiten gesprochen. Nachmittags waren wir im Freud-Traum-Museum, ein etwas abgedrehter Laden mit nur 2 Räumen, dunkler Tapete und wenig Licht und vielen Bildinstallationen und verschiedenen Sätzen aus seinen Werken. Man hatte auch einige seiner am häufigsten erscheinenden Träume abgebildet, so zum Beispiel der Traum vom langen Mantel, oder der Traum einen nassen Betrunkenen im Treppenaufgang zu treffen. Ich weiß nicht, was man aus solchen Träumen lesen kann und kann mir wirklich Spannenderes vorstellen. Das, was ich nicht so recht hereausfinden konnte war, ob es seine Träume oder die seiner Patienten waren.Zitat von Emily: Wir hätten vermutlich ein besseres Museum herbei träumen können. Da kann ich nur zustimmen.
Das Wochenende war auch ereignisreich. Am Donnerstag hatte ich ein 4 1\2 Stunden Seminar zum Buch von Sarrazin "Deutschland schafft sich ab". Es war sehr interessant und ich habe mir eine gute Meinung zu diesem Thema bilden können. Etwas, was ich wiedereinmal an Deutschen erkannt habe und was auf sehr viele zutrifft und uns das individuelle Leben schwer macht, ist, dass jeder gern hätte, das der andere lebt, sich anzieht und handelt, wie man selbst. Das ist natürlich nicht nur eine deutsche Krankheit, sondern hat sich auch in vielen anderen Ländern ausgebreitet, aber Sarrazin ist ein gutes Beispiel dafür. Abgesehen davon haben seine Argumente zwar nicht immer Hand und Fuß, aber der Ansatz ist gut und war schon alange überflüssig in der deutschen Politik.
Am Samstag haben wir mit einem ungarischen Nachbarn Pfefferkrustenhühnchen gekocht. Es gab nur Fleisch und Nudeln (sehr männlich), ein bisschen Gemüse haben wir dann später noch gegessen. Danach gab es eine Runde Starwars, aber die Jungs haben nur die erste Stunde durchgehalten, dann sind sie schlafen gegangen. Das nacksche Hühnchen war wohl das einzig männliche ;) Am Sonntag hatten wir einen schönen Gottestdienst, doch bevor wir gegangen sind, hat uns Linda eröffnet, dass ihr Freund am Abend zuvor um ihre Hand angehalten hat und sie jetzt verlobt sind. Natürlich eine sehr erfreuliche Nachricht. Wir haben den ganzen Sonntag nur noch von Hochzeiten gesprochen. Nachmittags waren wir im Freud-Traum-Museum, ein etwas abgedrehter Laden mit nur 2 Räumen, dunkler Tapete und wenig Licht und vielen Bildinstallationen und verschiedenen Sätzen aus seinen Werken. Man hatte auch einige seiner am häufigsten erscheinenden Träume abgebildet, so zum Beispiel der Traum vom langen Mantel, oder der Traum einen nassen Betrunkenen im Treppenaufgang zu treffen. Ich weiß nicht, was man aus solchen Träumen lesen kann und kann mir wirklich Spannenderes vorstellen. Das, was ich nicht so recht hereausfinden konnte war, ob es seine Träume oder die seiner Patienten waren.Zitat von Emily: Wir hätten vermutlich ein besseres Museum herbei träumen können. Da kann ich nur zustimmen.
Freitag, 15. April 2011
Militärisches Prelude
Hierbei handelt es sich um eine Begebenheit, die ich zufällig aus dem Bus heraus entdeckt hatte und sofort an der nächsten Haltestelle ausgestiegen bin, um euch näheres zu berichten. Auf dem Platz vor der Erimitage hatten sich Kompanien von Soldaten eingefunden (ca. 50 Mann/Frauen pro Gruppe) und standen stramm in quadratischer Formierung im Halbkreis mit Blick zur Erimitage. Soweit ich richtig zählen konnte, waren es 15 Kompanien, davon 4 Marine, 4 Polizei (davon 2 nur mit Frauen) und der Rest Armee, entweder mit Bajonetten oder mit Sturmgewehren. In der Mitte des Platzes stand ein riesiges Militärorchester, gebildet aus Musikanten aller Gruppen und ca. 400 Mann stark. Es hatte 4 Unterdirigenten und einen Oberschten, der auf einem kleinen Podest stehen durfte. An der Front der Erimitage stand der Aller Oberste (als einziger in schwarzer Lederjacke, natürlich nur, um cooler zu sein, als die anderen) und gab seine Komandos von der Ladefläche eines Personentransportlasters aus. Rings um den Platz hatte man schwarzbemantelte Militärs aufgestellt, die keinen Zivilisten durchließen und somit vermutlich viele Bombenzündungen verhindert haben.
Als ich ankam war das kleine Festchen schon in vollem Gange und ich dachte bei mir, es ist vielleicht die Vereidigung der neuen Truppen oder etwas in die Richtung, wobei es dafür vielleicht zu viele Soldaten waren. Ich kann mir nicht vorstellen, dass so viele Russen in die Armee wollen. Zuerst sollte eine Gruppen von Fahnen- und Säbelträgern im Stechschritt von rechts nach links am Kommandanten vorbeischreiten und den ganzen Platz überqueren. Er gab seinen Befehl; das Orchester (von Kapelle kann ja keine Rede sein) begann, eine erhebende Musi zu spuilen und die kleine 7-Mann-Gruppe machte sich auf den Weg. Ich kann mir sehr gut vorstellen, dass exerzieren keinen Spaß macht und anstrengend ist, vorallem auf 800 Metern. Als sie bei der Hälfte angekommen waren, kam einer aus dem Takt! Der Kommandant griff sofort ein, brach alles ab, und die armen Jungs mussten zurückrennen (aber geordnet) und noch einmal von vorn beginnen. Sie taten mir sehr leid.
Nachdem sie es beim zweiten Mal bravourös gemeistert hatten und an der linken Seite angekommen waren, rief der Kommandant zwei Admiräle zu sich. Sie bekamen beide einen Jeep mit Fahrer und Mikrofon und sollten jetzt an den Truppen entlangfahren. Warum sie nicht eine Fahrgemeinschaft bilden konnten, wo sie doch den gleichen Weg hatten, kann wohl nur Putin zur Gänze beantworten. Sie gratulierten jeder Kompanie einzeln mit dem erhebenden Spruch: Zum 66. Jubiläum des Sieges im Vaterlandskrieg, woraufhin der angesprochene Trupp drei mal laut und aus vollem Herzen "Urra, Urra, Urra" schreien durfte. Nachdem alle geschrien hatten begann das Orchester wieder zu spielen und, zu meiner Belustigung, riefen die Gruppen jetzt abwechselnd, aber nicht passend zur Musik, "Urra". Man hatte es so eingerichtet, dass die beiden Frauenkompanien sozusagen als Oberstimme über den Männern rufen konnten. Ich habe mich köstlich amüsiert. Doch das sollte noch nicht alles gewesen sein.
Nach der Nationalhymne gab der Kommandant das Kommando Rechts Um und alle mussten erst mal eine Runde um den Platz marschieren. Spätestens hier dachte ich mir, das es wohl eher eine Inspizierung der Truppen sein könnte, als eine Vereidigung und entschied, noch ein wenig zu bleiben und meine Neugier zu befriedigen. Bis alle wieder auf ihrem Platz standen, konnte man die schicken jungen Männer und Frauen beobeachten, die alle im Exerzierschritt (ein halbhoher Stechschritt (Wikipedia)) zur Musik an mit vorbeistolzierten. Also Rhytmus müssen die alle haben. Vor dem Personentransportlaster mussten natürlich alle den Kommandanten grüßen und ihren Kopf dafür nach rechts drehen. Nur die ganz rechts außen laufende Reihe blickte gerade aus; es wäre schon lustig gewesen, wäre die ganze Manschaft nach rechts gezogen, immer auf den Kommandanten zu.
Nach erfolgreichem Abschluss, oder so dachte ich wenigstens, trafen sich die Kompanieführer mit El Kommandante, mussten in einer Reihe stehen und bekamen erstmal ordentlich die Leviten gelesen. Ich konnte natürlich kein Wort verstehen, aber Gesten sagen ja bekanntlich mehr und so war mir klar, was er gesehen hatte, hatte ihm gar nicht gefallen. Agitiert mimte er die Soldaten, die nicht ordentlich marschiert waren und zeigte auch promt die richtige Art und Weise. Er beschuldigte einzelne Führer, zeigte mit dem Finger auf sie und richtete dabei seine Rede an die anderen: Das soll man nicht machen! So rannte er hin und her, warf die Hände in die Luft und konnte am Ende nur noch eine Geste produzieren: Warum? Warum nur habt ihr mir diese Schmach vor die Augen gebracht! Ich konnte mich am Rand vor lachen kaum halten und hätte sicherlich laut losgelacht, wären die Schwarzmäntel vor mir nicht gewesen. Nach vollendetem Tadel gingen die Kompanieführer mit sichtlich eingezogenem Schwanz zu ihren Leuten, stellten sich in die Mitte der Truppe und besprachend das weitere Vorgehen.
Währenddessen begann die Band sich aufzulösen zum Bus zu gehen und auf dem Weg noch ein lustiges Liedchen zu spielen. Ich dachte mir, wenn die Musik geht, ists auch bald zuende. Es war schon kalt und spät geworden. Also entschied ich mich, ihnen zu folgen und konnte nur noch von Ferne sehen, wie einige Kompanien sich auf den Heimweg machten und zur Metro gingen, aber andere die Runde noch einmal laufen mussten! Im Nachhinein nehme ich an, dass sie schon jetzt begonnen haben für den 9. Mai zu üben, den Tag des Sieges, und da wirklich alles stimmen muss. Lustig war es nichtsdestotrotz und ich kann jedem empfehlen, eine Kamera mitzunehmen, wenn man sich solche Dinge anschauen möchte.
Als ich ankam war das kleine Festchen schon in vollem Gange und ich dachte bei mir, es ist vielleicht die Vereidigung der neuen Truppen oder etwas in die Richtung, wobei es dafür vielleicht zu viele Soldaten waren. Ich kann mir nicht vorstellen, dass so viele Russen in die Armee wollen. Zuerst sollte eine Gruppen von Fahnen- und Säbelträgern im Stechschritt von rechts nach links am Kommandanten vorbeischreiten und den ganzen Platz überqueren. Er gab seinen Befehl; das Orchester (von Kapelle kann ja keine Rede sein) begann, eine erhebende Musi zu spuilen und die kleine 7-Mann-Gruppe machte sich auf den Weg. Ich kann mir sehr gut vorstellen, dass exerzieren keinen Spaß macht und anstrengend ist, vorallem auf 800 Metern. Als sie bei der Hälfte angekommen waren, kam einer aus dem Takt! Der Kommandant griff sofort ein, brach alles ab, und die armen Jungs mussten zurückrennen (aber geordnet) und noch einmal von vorn beginnen. Sie taten mir sehr leid.
Nachdem sie es beim zweiten Mal bravourös gemeistert hatten und an der linken Seite angekommen waren, rief der Kommandant zwei Admiräle zu sich. Sie bekamen beide einen Jeep mit Fahrer und Mikrofon und sollten jetzt an den Truppen entlangfahren. Warum sie nicht eine Fahrgemeinschaft bilden konnten, wo sie doch den gleichen Weg hatten, kann wohl nur Putin zur Gänze beantworten. Sie gratulierten jeder Kompanie einzeln mit dem erhebenden Spruch: Zum 66. Jubiläum des Sieges im Vaterlandskrieg, woraufhin der angesprochene Trupp drei mal laut und aus vollem Herzen "Urra, Urra, Urra" schreien durfte. Nachdem alle geschrien hatten begann das Orchester wieder zu spielen und, zu meiner Belustigung, riefen die Gruppen jetzt abwechselnd, aber nicht passend zur Musik, "Urra". Man hatte es so eingerichtet, dass die beiden Frauenkompanien sozusagen als Oberstimme über den Männern rufen konnten. Ich habe mich köstlich amüsiert. Doch das sollte noch nicht alles gewesen sein.
Nach der Nationalhymne gab der Kommandant das Kommando Rechts Um und alle mussten erst mal eine Runde um den Platz marschieren. Spätestens hier dachte ich mir, das es wohl eher eine Inspizierung der Truppen sein könnte, als eine Vereidigung und entschied, noch ein wenig zu bleiben und meine Neugier zu befriedigen. Bis alle wieder auf ihrem Platz standen, konnte man die schicken jungen Männer und Frauen beobeachten, die alle im Exerzierschritt (ein halbhoher Stechschritt (Wikipedia)) zur Musik an mit vorbeistolzierten. Also Rhytmus müssen die alle haben. Vor dem Personentransportlaster mussten natürlich alle den Kommandanten grüßen und ihren Kopf dafür nach rechts drehen. Nur die ganz rechts außen laufende Reihe blickte gerade aus; es wäre schon lustig gewesen, wäre die ganze Manschaft nach rechts gezogen, immer auf den Kommandanten zu.
Nach erfolgreichem Abschluss, oder so dachte ich wenigstens, trafen sich die Kompanieführer mit El Kommandante, mussten in einer Reihe stehen und bekamen erstmal ordentlich die Leviten gelesen. Ich konnte natürlich kein Wort verstehen, aber Gesten sagen ja bekanntlich mehr und so war mir klar, was er gesehen hatte, hatte ihm gar nicht gefallen. Agitiert mimte er die Soldaten, die nicht ordentlich marschiert waren und zeigte auch promt die richtige Art und Weise. Er beschuldigte einzelne Führer, zeigte mit dem Finger auf sie und richtete dabei seine Rede an die anderen: Das soll man nicht machen! So rannte er hin und her, warf die Hände in die Luft und konnte am Ende nur noch eine Geste produzieren: Warum? Warum nur habt ihr mir diese Schmach vor die Augen gebracht! Ich konnte mich am Rand vor lachen kaum halten und hätte sicherlich laut losgelacht, wären die Schwarzmäntel vor mir nicht gewesen. Nach vollendetem Tadel gingen die Kompanieführer mit sichtlich eingezogenem Schwanz zu ihren Leuten, stellten sich in die Mitte der Truppe und besprachend das weitere Vorgehen.
Währenddessen begann die Band sich aufzulösen zum Bus zu gehen und auf dem Weg noch ein lustiges Liedchen zu spielen. Ich dachte mir, wenn die Musik geht, ists auch bald zuende. Es war schon kalt und spät geworden. Also entschied ich mich, ihnen zu folgen und konnte nur noch von Ferne sehen, wie einige Kompanien sich auf den Heimweg machten und zur Metro gingen, aber andere die Runde noch einmal laufen mussten! Im Nachhinein nehme ich an, dass sie schon jetzt begonnen haben für den 9. Mai zu üben, den Tag des Sieges, und da wirklich alles stimmen muss. Lustig war es nichtsdestotrotz und ich kann jedem empfehlen, eine Kamera mitzunehmen, wenn man sich solche Dinge anschauen möchte.
Revidierung
Ich hätte nicht gedacht, dass ich mich so in ein Thema hineinsteigern könnte, dass ich es im Nachhinein noch erklären muss. Der vorhergehende Post (englisches Wort, hat nichts mit der deutschen Post zu tun) war mehr oder weniger ein Zitat meines Professors für europäische Religionen. Ich teile seine Meinung aus Glaubensgründen nicht und habe sie in meiner schriftlichen Kontrollarbeit auch nicht wiedergegeben. Ich habe im Gegenteil von der Armut Jesu und seinem Opfer für uns Menschen geschrieben, muss jedoch zu seiner Verteidigung hinzufügen, dass die Bibel für Nichtchristen tatsächlich verwirrend und auch gegensätzlich sein kann.
Es ist interessant, sich mit seinen Ansichten auseinanderzusetzen und einen völlog anderen Blickwinkel auf das so vertraut scheinende Thema zu erhalten. Aber man muss mit Vorsicht genießen, denn vieles von dem, was er sagt scheint auf den ersten Blick logisch, muss aber gar nicht so stattgefunden haben. Wir streiten also in der alten du kannst es nicht beweisen, ich kann es nicht beweisen Debatte und drehen uns ein wenig um uns selbst, weil keiner von seinem Standpunkt abweichen will.
Er ist aber ein sehr gelehrter Mann. Hat vermutlich jedes Kirchendokument gelesen und leider falsch verstanden. Auch das macht es schwierig, mit ihm zu diskutieren. Und natürlich die Tatsache, dass seine Meinung die einzig bestehende im Raum ist und dass er keinen ausreden lässt.
Man soll ja aber dankbar sein für jede Diskussion, die man mit einem Nichtgläubigen führen kann.
Es ist interessant, sich mit seinen Ansichten auseinanderzusetzen und einen völlog anderen Blickwinkel auf das so vertraut scheinende Thema zu erhalten. Aber man muss mit Vorsicht genießen, denn vieles von dem, was er sagt scheint auf den ersten Blick logisch, muss aber gar nicht so stattgefunden haben. Wir streiten also in der alten du kannst es nicht beweisen, ich kann es nicht beweisen Debatte und drehen uns ein wenig um uns selbst, weil keiner von seinem Standpunkt abweichen will.
Er ist aber ein sehr gelehrter Mann. Hat vermutlich jedes Kirchendokument gelesen und leider falsch verstanden. Auch das macht es schwierig, mit ihm zu diskutieren. Und natürlich die Tatsache, dass seine Meinung die einzig bestehende im Raum ist und dass er keinen ausreden lässt.
Man soll ja aber dankbar sein für jede Diskussion, die man mit einem Nichtgläubigen führen kann.
Dienstag, 12. April 2011
Bibelstunde
Ich war heute an der Uni und habe meinen ersten Test auf russisch geschrieben. Die Fragen waren: War Jesus ein reicher oder armer Mann? und Warum wurde Jesus gekreuzigt? Ich glaube nach seinen Vorstellungen habe ich beide falsch beantwortet. Jesus war nämlich reich (er war schließlich ein Rabbi und zur Hochzeit von Kaana eingeladen, die ja mit 600 Gästen sicherlich nur von Reichen für Reiche gemacht worden sein kann) und gekreuzigt wurde er, weil er sich König der Juden genannt hat und Pilatus ihn gern aus dem Bild haben wollte, als Aufrührer und Anführer eines Bürgerkrieges (dem stimme ich allerdings zu) Und: Pilatus war ein richtiger Sack, der wollte Jesus eigentlich nur freilassen, um den Juden eins auszuwischen und ihnen das Osterfest zu versauen.
Die Vorlesung ist sehr lehrreich. Man lernt zu denken wie ein Atheist. Der Einzug nach Jerusalem war auch vorgeplant, denn Jesus kann nich wissen, wo der Esel steht und keiner würde um dieses Jahrhundert herum seinen Esel kostenlos abgeben. Da wurde vorher für gezahlt, was wiederum beweist, dass Jesus ein relativ reicher Mann war, denn nicht jeder kann sich einfach so einen Esel kaufen.Das ist, wie als wenn heute jemand seinen Strech-Mercedes mal eben ausleihen würde.
Die Vorlesung ist sehr lehrreich. Man lernt zu denken wie ein Atheist. Der Einzug nach Jerusalem war auch vorgeplant, denn Jesus kann nich wissen, wo der Esel steht und keiner würde um dieses Jahrhundert herum seinen Esel kostenlos abgeben. Da wurde vorher für gezahlt, was wiederum beweist, dass Jesus ein relativ reicher Mann war, denn nicht jeder kann sich einfach so einen Esel kaufen.Das ist, wie als wenn heute jemand seinen Strech-Mercedes mal eben ausleihen würde.
Mittwoch, 23. März 2011
Widmung
Nun schreibe ich schon seit einiger Zeit und habe noch niemanden gefunden, der mir eine Widmung auf die erste Seite setzt. Wie ich von meinem Vater gelernt habe, soll man die Dinge dann auch lieber selbst in die Hand nehmen, sonst wird's nichts und aus diesem Grunde widme ich selbst meinen Blog zumindest teilweise den Küchenfrauen meiner Fakultät und der kreativen Gestaltung meiner alltäglichen Rohkost. Seit ich im März wieder an der Uni bin und mich zu Mittag an meinem komplexen Essen freue (Suppe, Hauptgericht (eigentlich immer nacksche Nudeln und Bulette), ein Salat und eine Tasse Tee für nur 100 Rubel) gibt es ständig Rohkost. Das mag langweillig erscheinen, doch die guten Frauen des Hauses wissen die Karottenraspel geschickt aufzuwerten. Möhren selbst kann man nicht modifizieren, doch im Spiel mit 3 sogenannten Accessoires kann dem Stundenten ein spannendes Mahl bereitet werden. Heute fand ich Zucker und ein wenig Petersilie, gestern einen kleinen Klecks Smetana und letzte Woche Mittwoch, bei wohl all zu spendabler Stimmung der Küche, sogar 3 Rosinen, aber sicherlich nicht mehr. Da dies mein einziges Gemüse in der Woche ist, freue ich mich immer ganz besonders darauf und werde meinen Dank mit dieser Widmung zum Ausdruck bringen:
Ich widme meinen Blog zum Teil dem Küchenpersonal der Smolnyj Fakultät und danke für ihre wortlose Seriosität bei der Ausgabe und Zubereitung der Kost für die zukünftigen Eliten des Landes. Vielen Dank, dass ihr mich bei meiner wöchentlichen Nährstoffzufuhr unterstützt und meine Arbeit erst möglich macht.
Ich widme meinen Blog zum Teil dem Küchenpersonal der Smolnyj Fakultät und danke für ihre wortlose Seriosität bei der Ausgabe und Zubereitung der Kost für die zukünftigen Eliten des Landes. Vielen Dank, dass ihr mich bei meiner wöchentlichen Nährstoffzufuhr unterstützt und meine Arbeit erst möglich macht.
Wochenende
Ich sehne es herbei, aber noch muss ich einen Tag durchhalten. Montag habe ich tatsächlich von 11 bis 7 Uni und muss natürlich hin und her fahren. Dienstag und Mittwoch nur von 11 bis 5. An diesem Wochenende ist Arbeit geplant. Ich werde das Sarrazin Buch beenden und den Vortrag lesen, dann den Grafen von MonteChristo bearbeiten, oder auch anders herum, und zu guter Letzt habe ich mich entschieden eins der hiesigen FitnessStudios zu besichtigen. Aber wirklich erst mal nur besichtigen. Viele von den unsrigen verbringen dort ihre wache, nüchterne, freie Zeit, also etwa 3 Stunden in der Woche und erfreuen sich an verschiedenen, der Erholung und körperlichen Entspannung dienenden Kursen. Ich selbst werde mich vielleicht zu einem Stündchen Yoga hinreißen lassen. Das soll ganz schön anstrengend sein, aber wenigstens muss man nicht auf irgendwelchen Plastestufen hin und her springen. Ich müsste nur wissen, ob ich meine eigenen Matte mitbringen und ob ich vorher mit meinem inneren Chakra im reinen sein muss. Ich sollte mir vermutlich auch Turnschuhe kaufen, aber ich denke ja auch immer an meinen Heimfahrkoffer und die Kilo die ich dann durch Helsinki und Stockholm tragen darf.
Sonntag, 20. März 2011
Extrablatt
Der Alltag hat sich eingestellt,
Wohlan, wer will ihn sehn?
Der muss hinaus ins graue Feld,
ins Häuserfeld nun gehn.
Die Vorlesungen sind interessanter als im letzten Semester aber immer noch unter meinem Niveau. Nur die russischen Vorlesungen sind aufregend, weil man ununterbrochen rätselraten muss, was der Dozent nun genau gemeint und genuschelt hat. Auch schnell und leserlich russisch Schreiben ist eine Kunst, die ich noch erlernen muss. Sieht aber sicherlich besser aus als mein arabisch oder mandarin. Ich gehe jetzt immer öfter Klavier spielen und kann mich an diesem Flügel wirklich nur verbessern.
Letzte Woche bin ich zusammen mit Linda zu einem Gemeindeabend einer Russisch-Amerikanischen Gemeinde gegangen und war begeistert von Liedern und Leuten. Ich werde mich bemühen, oft hinzugehen, aber man muss, wie überall hin, eine ganze Stunde fahren. Heute waren wir auch zusammen in deren Gottesdienst, der russisch-englisch gehalten wird und zum Glück auf unserer Insel stattfindet (15 min Fahrt). Die Gemeinde besitzt einen Raum auf dem Dachboden einer großen Kirche. In den unteren beiden Stockwerken finden simultan weitere Gottesdienste statt und man kann die verschiedenen Bands hören.
Katharina hat gelernt, wie man Blini macht, weswegen heute Abend Familiendinner geplant ist. Blini mit Schinken und Käse, süßer Kondensmilch oder Schokosauce und selbstgemachte, heiße Schokolade. Linda wird vermutlich nicht kommen können, weil ihr Freund endlich angekommen ist. Er bleibt ein ganzes Jahr, genau so wie sie.
Gestern vormittag waren wir auf dem vermutlich größten Basar der Stadt. Er beginnt mit normalen, kleinen Geschäften, entwickelt sich zu einem Klamottenmarkt mit riesigen Kisten und Kästen, voll von Mänteln, Oberteilen, Tüchern - ein riesies Kramland. Doch der eigetliche Spaß beginnt erst auf Level 3. Man findet sich in der Mitte von aus Schnee gebauten Tischen wieder, auf denen Leute all ihre Fundstücke und Habseligkeiten feil halten. All die Sachen liegen einfach im Schnee oder auf Plastikplanen und die Menschenmassen laufe durch Gänge, die durch die 10 ewig langen Reihen gegraben wurden. Man kann sich an einem Tag nur einen Bruchteil der Angebote anschauen und findet überall interessante Gebrauchsgegenstände, wie Gasbrenner oder Löffel, oder sovjetische Abzeichen und alte Armeeausrüstung. Einiges davon könnte man in Deutschland sicherlich gut verkaufen. Aber so verzweifelt bin ich ja noch nicht.
Wohlan, wer will ihn sehn?
Der muss hinaus ins graue Feld,
ins Häuserfeld nun gehn.
Die Vorlesungen sind interessanter als im letzten Semester aber immer noch unter meinem Niveau. Nur die russischen Vorlesungen sind aufregend, weil man ununterbrochen rätselraten muss, was der Dozent nun genau gemeint und genuschelt hat. Auch schnell und leserlich russisch Schreiben ist eine Kunst, die ich noch erlernen muss. Sieht aber sicherlich besser aus als mein arabisch oder mandarin. Ich gehe jetzt immer öfter Klavier spielen und kann mich an diesem Flügel wirklich nur verbessern.
Letzte Woche bin ich zusammen mit Linda zu einem Gemeindeabend einer Russisch-Amerikanischen Gemeinde gegangen und war begeistert von Liedern und Leuten. Ich werde mich bemühen, oft hinzugehen, aber man muss, wie überall hin, eine ganze Stunde fahren. Heute waren wir auch zusammen in deren Gottesdienst, der russisch-englisch gehalten wird und zum Glück auf unserer Insel stattfindet (15 min Fahrt). Die Gemeinde besitzt einen Raum auf dem Dachboden einer großen Kirche. In den unteren beiden Stockwerken finden simultan weitere Gottesdienste statt und man kann die verschiedenen Bands hören.
Katharina hat gelernt, wie man Blini macht, weswegen heute Abend Familiendinner geplant ist. Blini mit Schinken und Käse, süßer Kondensmilch oder Schokosauce und selbstgemachte, heiße Schokolade. Linda wird vermutlich nicht kommen können, weil ihr Freund endlich angekommen ist. Er bleibt ein ganzes Jahr, genau so wie sie.
Gestern vormittag waren wir auf dem vermutlich größten Basar der Stadt. Er beginnt mit normalen, kleinen Geschäften, entwickelt sich zu einem Klamottenmarkt mit riesigen Kisten und Kästen, voll von Mänteln, Oberteilen, Tüchern - ein riesies Kramland. Doch der eigetliche Spaß beginnt erst auf Level 3. Man findet sich in der Mitte von aus Schnee gebauten Tischen wieder, auf denen Leute all ihre Fundstücke und Habseligkeiten feil halten. All die Sachen liegen einfach im Schnee oder auf Plastikplanen und die Menschenmassen laufe durch Gänge, die durch die 10 ewig langen Reihen gegraben wurden. Man kann sich an einem Tag nur einen Bruchteil der Angebote anschauen und findet überall interessante Gebrauchsgegenstände, wie Gasbrenner oder Löffel, oder sovjetische Abzeichen und alte Armeeausrüstung. Einiges davon könnte man in Deutschland sicherlich gut verkaufen. Aber so verzweifelt bin ich ja noch nicht.
Montag, 7. März 2011
Back to Business
Schon seit einer Woche wieder in der Studienstadt meiner Wahl hat sich einiges verändert. Nicht die Stadt selbst natürlich, aber die Stimmung ist anders. Wir müssen uns wohl alle erst aneinander gewöhnen und ich vermutlich mehr an sie, als umgekehrt. Meine Mitbewohnerinnen sind beschwerdefrei, wischen und waschen ab, kümmern sich um Haus und Hof und sind nebenbei sehr nette Menschen. Es sind zwei Deutsche und eine Amerikanerin eingezogen, was unsere Amtssprache auf Englisch/Deutsch reduziert, aber ich habe ja an der Uni noch Russischkurse, die ich regelmäßig! besuchen werde. Die Amerikanerin studiert in Kanada und hat sich auf PR spezialisiert, meine Deutsche ist Förderschulpädagogin und die andere an der Wirtschaftsfakultät. Die beiden ersten Wochen des Kennenlernens zu verpassen war dumm und ich rate keinem, es mit nachzumachen. So sehr ich den Urlaub genießen konnte, so sehr beisst mich meine Abwesenheit jetzt in den Hintern. Ich kenne keinen mehr und die Neuen haben sich alle schon in kleine Grüppchen aufgeteilt. Das macht das allgemeine Freundschaft-schließen schwieriger als erwartet. Aber ich bin ja nicht auf den Kopf gefallen. Ich finde mich zurecht.
Die Uni hat für mich noch nicht richtig begonnen. Vorlesungen finden wie immer für mich nur von Montag bis Mittwoch statt, auch die russischen, und diese Woche feiern wir erst mal Frauentag und Frühlingsfest, was Montag und Dienstag, meine längsten Tage, zu Feiertagen gemacht hat. Also bin ich immer noch unbeschäftigt und langweile mich zu Tode. Der Spaß des nächsten Semesters muss erst noch beginnen.
Die Uni hat für mich noch nicht richtig begonnen. Vorlesungen finden wie immer für mich nur von Montag bis Mittwoch statt, auch die russischen, und diese Woche feiern wir erst mal Frauentag und Frühlingsfest, was Montag und Dienstag, meine längsten Tage, zu Feiertagen gemacht hat. Also bin ich immer noch unbeschäftigt und langweile mich zu Tode. Der Spaß des nächsten Semesters muss erst noch beginnen.
Donnerstag, 17. Februar 2011
Home, Sweet Home
Ich bin daheim. Vaters Geburtstag war schön und er hat sich über seine Wodkagläser gefreut. In Deutschland ist der Frühling ausgebrochen, während wir in Russland mit 18° und reichlich Schnee zu kämpfen haben. Übermorgen beginnt der Winterurlaub und ich werde mich erst ein mal von der Bloggerlandschaft zurückziehen.
Donnerstag, 10. Februar 2011
Endlich Urlaub
Mein Pass ist zu mir zurückgekehrt mit Visum und neuer Registrationskarte. Mein Heim bleibt mein Heim und bis jetzt blieb meine Wohnung auch exklusiv nur meine Wohnung. Auch wegen der Aussicht auf Kontakt mit Menschen freue ich mich auf zu Hause. Ich werde ein paar Zwischenstopps einlegen, ein Road Trip sozusagen, und in Berlin einen Kaffee trinken und in Dresden Freunde besuchen, dann unser 51-jähriges Hausbaujubiläum schmeißen und mir zu guter Letzt die schöne, italienische Sonne auf die Skibrille scheinen lassen, bevor ich mich völlig der Universität hingebe. Dann hoffe ich auch, neue Mitbewohner zu haben, denn ohne ist Mist, aber sauberer. Ruhig wird es ja sowieso nie, unsere Nachbarn kümmern sich immer rührend um eine angemessene Geräuschkulisse auch nach Milans Abreise. Einer "improvisert" auf seiner Klarinette, der andere auf dem Saxophon. Aber immerhin kann man nur die Gitarre und das vermutlich selbst gebastelte Schlagzeug zu den unmöglichsten Morgenstunden hören.
Das Schlimmste derzeit ist das Wetter. Eine Mischung aus viel Wasser am Tag und über Nacht wieder Nachschub zum Schmelzen. Ich habe mir leider nicht, wie 30% der Bevölkerung Gummistiefel gekauft und muss mich mit nassen Füßen anfreunden. Man sieht jetzt auch häufig Menschen mit Masken vor Mund und Nase. Sogar eine unserer reizenden Rezeptionistinnen hat dieses stylische Accessoire ihrer Gaderobe hinzugefügt. Vielleicht bringe ich eine Kostprobe der russischen Grippe mit nach Hause.
Gestern bin ich mit dem Trolleybus zur Uni gefahren, um wieder einmal für mein Wohnheim zu zahlen. Ich war eine halbe Stunde zu spät da, aber durfte immer noch bezahlen. Man weiß eben nie, woran man in diesem Land gerade ist. An einer der Haltestellen stiegen zwei alte Frauen ein und fingen, sobald sie sich gesetzt hatten, an darüber zu keifen, dass sie schon eine ganze Stunde auf diesen Trolleybus warteten. Es wäre so kalt gewesen und man kann doch Rentner nicht in der Kälte auf den Bus warten lassen. Wichtig ist auch zu wissen, dass es keine festen Busfahrzeiten gibt. Das allgemeine deutsche Vorurteil, was nicht unbedingt ein Vorurteil ist, dass Rentner immer viel zu früh zur Haltestelle gehen, kann hier also nicht angewendet werden. Die beiden betagten Damen wollten aber per du nicht still sein. Ich frage mich immer, warum man die armen, schwer arbeitenden Kontrolleure nicht einfach in Ruhe lassen kann, sie können an der Gesamtsituation doch sowieso nichts ändern. Außerdem hatte der Bus zu weit ab vom Bürgersteig gehalten und sie mussten durch die großen Pfützen steigen, bevor sie den Bus erreichen konnten, das sollte bitte dem Fahrer gemeldet werden. Binnen kurzer Zeit waren alle ringsum sitzenden Passagiere in den kleinen Streit verwickelt und ich musste mir das Lachen verkneifen, sonst wäre ich vielleicht noch mit dem Regenschirm verhauen worden.
Das Schlimmste derzeit ist das Wetter. Eine Mischung aus viel Wasser am Tag und über Nacht wieder Nachschub zum Schmelzen. Ich habe mir leider nicht, wie 30% der Bevölkerung Gummistiefel gekauft und muss mich mit nassen Füßen anfreunden. Man sieht jetzt auch häufig Menschen mit Masken vor Mund und Nase. Sogar eine unserer reizenden Rezeptionistinnen hat dieses stylische Accessoire ihrer Gaderobe hinzugefügt. Vielleicht bringe ich eine Kostprobe der russischen Grippe mit nach Hause.
Gestern bin ich mit dem Trolleybus zur Uni gefahren, um wieder einmal für mein Wohnheim zu zahlen. Ich war eine halbe Stunde zu spät da, aber durfte immer noch bezahlen. Man weiß eben nie, woran man in diesem Land gerade ist. An einer der Haltestellen stiegen zwei alte Frauen ein und fingen, sobald sie sich gesetzt hatten, an darüber zu keifen, dass sie schon eine ganze Stunde auf diesen Trolleybus warteten. Es wäre so kalt gewesen und man kann doch Rentner nicht in der Kälte auf den Bus warten lassen. Wichtig ist auch zu wissen, dass es keine festen Busfahrzeiten gibt. Das allgemeine deutsche Vorurteil, was nicht unbedingt ein Vorurteil ist, dass Rentner immer viel zu früh zur Haltestelle gehen, kann hier also nicht angewendet werden. Die beiden betagten Damen wollten aber per du nicht still sein. Ich frage mich immer, warum man die armen, schwer arbeitenden Kontrolleure nicht einfach in Ruhe lassen kann, sie können an der Gesamtsituation doch sowieso nichts ändern. Außerdem hatte der Bus zu weit ab vom Bürgersteig gehalten und sie mussten durch die großen Pfützen steigen, bevor sie den Bus erreichen konnten, das sollte bitte dem Fahrer gemeldet werden. Binnen kurzer Zeit waren alle ringsum sitzenden Passagiere in den kleinen Streit verwickelt und ich musste mir das Lachen verkneifen, sonst wäre ich vielleicht noch mit dem Regenschirm verhauen worden.
Montag, 7. Februar 2011
Kurznachricht
Ich bin wieder obdachvoll. Heute habe ich bis Ende März bezahlen dürfen, das heißt, alles ist wieder schön und fein. Ich komm heim, wenn/falls ich am Donnerstag mein Visum und meinen Pass kriege.
Dienstag, 1. Februar 2011
Im Osten nichts Neues
Noch wohne ich in meinem Zimmer. Ich bin auch sehr bedacht darauf, hier zu bleiben. Es ist aber alles nicht so einfach. Derzeit habe ich Aufschub bis zum 7. Februar und bis dahin auch schon bezahlt, aber ich hätte gern eine feste Schlafstätte bis Ende Juni. Das muss in den nächsten 10 Tagen funktionieren, sonst kann ich nicht heim fahren und das wäre wirklich Schade.
Letztes Wochenende habe ich 3 Freunde verabschiedet und damit ist auch Giulia, die letzte meiner drei Mitbewohnerinnen ausgezogen. Sie ist aber noch in Petersburg und ich werde sie, wenn alles gut geht in Estland besuchen fahren, im nächsten Semester. Mit Cornelia bin ich noch ein mal ins Michailovksy Theater gegangen; wir haben uns Spartakus, ein Ballett, angesehen. Es war atemberaubend, die Ohren haben gezittert, die Augen getränt, die Beine wollten mittanzen. Die Musik war von Aram Chatschaturjan, einem der meiner Meinung nach besten armenischen Komponisten, die ich bis jetzt gehört habe. Es war schnell, stark, sehr gut ausgeführt und spannend, obwohl ich in der 2. Hälfte fast eingeschlafen bin, aber allein das Hinschauen hat schon so viel Energie gekostet. Die Pas de deux bestanden eigentlich nur aus Hebungen und Artistikeinlagen, die Musik war klassisch und doch besaß sie viele kleine moderne Einflüsse, die sie um so interessanter gemacht haben. Ich empfehle es weiter!
Am Wochenende hatten wir für zwei Tage nur noch Strom an der einen Seite der Küche. So haben wir unsere Abende also in trauter Gemeinsamkeit in unserer ach so gemütlichen Küche verbracht. Zum Glück haben sie am Montag einen Mann gefunden, der die Sicherung wieder reindrücken konnte.
Wir haben außerdem auch unsere neuen Möbel bekommen: ein Nachttischschränkchen und für jeden einen neuen Tisch. Das zweite Semester wird also ausrüstungstechnisch besser beginnen als das letzte mit nur einem unbequemen Schreibtisch für zwei.
Letztes Wochenende habe ich 3 Freunde verabschiedet und damit ist auch Giulia, die letzte meiner drei Mitbewohnerinnen ausgezogen. Sie ist aber noch in Petersburg und ich werde sie, wenn alles gut geht in Estland besuchen fahren, im nächsten Semester. Mit Cornelia bin ich noch ein mal ins Michailovksy Theater gegangen; wir haben uns Spartakus, ein Ballett, angesehen. Es war atemberaubend, die Ohren haben gezittert, die Augen getränt, die Beine wollten mittanzen. Die Musik war von Aram Chatschaturjan, einem der meiner Meinung nach besten armenischen Komponisten, die ich bis jetzt gehört habe. Es war schnell, stark, sehr gut ausgeführt und spannend, obwohl ich in der 2. Hälfte fast eingeschlafen bin, aber allein das Hinschauen hat schon so viel Energie gekostet. Die Pas de deux bestanden eigentlich nur aus Hebungen und Artistikeinlagen, die Musik war klassisch und doch besaß sie viele kleine moderne Einflüsse, die sie um so interessanter gemacht haben. Ich empfehle es weiter!
Am Wochenende hatten wir für zwei Tage nur noch Strom an der einen Seite der Küche. So haben wir unsere Abende also in trauter Gemeinsamkeit in unserer ach so gemütlichen Küche verbracht. Zum Glück haben sie am Montag einen Mann gefunden, der die Sicherung wieder reindrücken konnte.
Wir haben außerdem auch unsere neuen Möbel bekommen: ein Nachttischschränkchen und für jeden einen neuen Tisch. Das zweite Semester wird also ausrüstungstechnisch besser beginnen als das letzte mit nur einem unbequemen Schreibtisch für zwei.
Donnerstag, 27. Januar 2011
Frei Sein
Die Ereignisse stapeln sich und da ich nun endlich Zeit habe, meine Hausarbeit geschrieben ist, mein Visum beantragt und fast alle Freunde verabschiedet, widme ich mich wieder dem Internet. Petersburg erstrahlt derzeit im Glanz der Sonne. Alle Beimle sei bereimelt (alle Bäume sind bis zum kleinsten Ästchen mit Schnee bedeckt) und selbt bei uns im Neubautenviertel kann man eine wunderschöne Winterpracht bestaunen. Es ist dem entsprechend kalt.
Im Wohnheim findet ein Störfaktor nach dem anderen Einzug in mein doch so ruhiges Leben. Vor mittlerweile schon 4 Tagen sagte uns unsere Putzfrau, dass wir neue Nachttischschränkchen bekämen und die alten ausräumen söllten. Das taten wir und warten seitdem, dass die zu unseren Betten passenden Schränkchen aufgebaut werden. Jetzt haben sie auch noch unseren Schreibtisch mitgenommen, sodass es in unserem Zimmer keine einzige Ablagefläche mehr gibt und ich erst mal alles in Beuteln auf dem Boden verteilt habe. Ich glaube nicht, dass heute noch jemand kommt. Es hat aber auch seine gute Seite. Heute wollte ich für die nächsten zwei Monate bezahlen und frage, so aus reiner Neugierde, bei meiner Kommandantin, ob ich denn im gleichen Zimmer bleiben kann, oder ob sie mich irgendwo anders eingeplant hat. Sie sagte mir nur, dass mein Bett ab dem 2.2. schon wieder belegt sei und sie von meiner Fakultät keine Verlängerungsanfrage oder sonst irgendwelche Papiere bekommen hat und das ich am 31.1. ausziehen müsste. Ich bin der guten Hoffnung, dass sich bis morgen alles klärt und ich hier bleiben darf. Wenn nicht, komm ich eben zurück nach Hause. Wie ich schon in meinem Aufsatz über meinen Auslandsaufenthalt geschrieben hatte: "Hinter jeder Ecke lauert eine Überraschung!" Man kann sich nichts sicher sein, nicht einmal dem Dach über seinem Kopf, vor allem nicht dem, wenn man an unseren Dachschaden denkt. Meine Sachen liegen also schon alle mitten im Zimmer, bereit weggepackt zu werden, wenn nötig und ich habe schon die Hostels in der Stadt gesichtet.
Im Wohnheim findet ein Störfaktor nach dem anderen Einzug in mein doch so ruhiges Leben. Vor mittlerweile schon 4 Tagen sagte uns unsere Putzfrau, dass wir neue Nachttischschränkchen bekämen und die alten ausräumen söllten. Das taten wir und warten seitdem, dass die zu unseren Betten passenden Schränkchen aufgebaut werden. Jetzt haben sie auch noch unseren Schreibtisch mitgenommen, sodass es in unserem Zimmer keine einzige Ablagefläche mehr gibt und ich erst mal alles in Beuteln auf dem Boden verteilt habe. Ich glaube nicht, dass heute noch jemand kommt. Es hat aber auch seine gute Seite. Heute wollte ich für die nächsten zwei Monate bezahlen und frage, so aus reiner Neugierde, bei meiner Kommandantin, ob ich denn im gleichen Zimmer bleiben kann, oder ob sie mich irgendwo anders eingeplant hat. Sie sagte mir nur, dass mein Bett ab dem 2.2. schon wieder belegt sei und sie von meiner Fakultät keine Verlängerungsanfrage oder sonst irgendwelche Papiere bekommen hat und das ich am 31.1. ausziehen müsste. Ich bin der guten Hoffnung, dass sich bis morgen alles klärt und ich hier bleiben darf. Wenn nicht, komm ich eben zurück nach Hause. Wie ich schon in meinem Aufsatz über meinen Auslandsaufenthalt geschrieben hatte: "Hinter jeder Ecke lauert eine Überraschung!" Man kann sich nichts sicher sein, nicht einmal dem Dach über seinem Kopf, vor allem nicht dem, wenn man an unseren Dachschaden denkt. Meine Sachen liegen also schon alle mitten im Zimmer, bereit weggepackt zu werden, wenn nötig und ich habe schon die Hostels in der Stadt gesichtet.
Donnerstag, 13. Januar 2011
Von Menschen und Nationen
Ich vergaß ganz, von meinen Deutschlandeindrücken zu erzählen und in bunten Farben zu schildern, wie die deutsche Jugend am Berliner Hauptbahnhof gitarrespielend auf ihren Zug wartete. Nun ist Berlin ja aber auch beliebter Sammelplatz für alle Buntröcke und der Zug nach Leipzig dafür prädestiniert, allerlei jungen Volks zu bewegen. Ich muss leider auch sagen, dass die Berliner den Russen in der Kundenbetreuung in nichts nachstehen, mit der Arbeitsmoral: Weniger sagen ist mehr, Lächeln nur in äußersten Notfällen. Daheim war natürlich alles anders. Wobei ich mich am meisten geschämt habe, war immer als Erste zu gehen, wenn auf dem Bürgersteig eine schneebedingt enge Stelle war. In Russland ist das es so unüblich, jemanden vorzulassen, dass ich mir sehr unhöflich vorkam, den Weg als breit genug für Beide zu betrachten, wenn die Deutschen lieber stehen bleiben und in einem stummen Blickduell um Vorrangsrecht verhandeln. Hier läuft man eben ein Stück am Rand, ist dafür schneller weitergegangen und hat vermutlich auch noch den Weg für nachkommende Passanten verbreitert.
Ich habe mich jetzt in die Küche umquartiert, mir meinen Schreibtisch in die Ecke gestellt und meine Hausarbeit fast komplettiert. Meine Mitbewohnerin, Lena, kann ruhig schlafen und ich kann ruhig arbeiten, ohne meinen Schlafplatz mit Arbeit belasten zu müssen oder umgekehrt. Ich kann vermutlich froh sein, bis jetzt überhaupt gearbeitet oder geschlafen zu haben, wo ich doch immer in meinem Bett gesessen habe. Nun ist es auch leichter, Essen und Arbeiten zu verbinden, da der Kühlschrank nur eine Beinlänge entfernt ist. An unsere Neuen haben wir uns gewöhnt. Es wird ein angenehmer Monat werden. Ich bin froh zu wissen, dass Russen und Deutsche doch in einem Zimmer leben können.
Ich habe mich jetzt in die Küche umquartiert, mir meinen Schreibtisch in die Ecke gestellt und meine Hausarbeit fast komplettiert. Meine Mitbewohnerin, Lena, kann ruhig schlafen und ich kann ruhig arbeiten, ohne meinen Schlafplatz mit Arbeit belasten zu müssen oder umgekehrt. Ich kann vermutlich froh sein, bis jetzt überhaupt gearbeitet oder geschlafen zu haben, wo ich doch immer in meinem Bett gesessen habe. Nun ist es auch leichter, Essen und Arbeiten zu verbinden, da der Kühlschrank nur eine Beinlänge entfernt ist. An unsere Neuen haben wir uns gewöhnt. Es wird ein angenehmer Monat werden. Ich bin froh zu wissen, dass Russen und Deutsche doch in einem Zimmer leben können.
Dienstag, 11. Januar 2011
Allerliebster Januar
Ich habe eine neue Mitbewohnerin. Um genau zu sein, haben wir gleich zwei bekommen, zwei Russinen, die nur für einen Monat nach Petersburg kommen, um ihre Prüfungen für ihr Journalismusfernstudium zu schreiben. Beide sind natürlich nicht an das WG Leben gewöhnt und ich merke schon, dass für sie das Eingewöhnen schwieriger wird und für uns das Aufnehmen. Sie kochen Dinge die die ganze Wohnung mit Fischgeruch ausstinken und ich meine unangenehm, ihnen ist ständig kalt, man kann kein Fenster aufmachen, sie antworten nicht auf die Frage, wie es ihnen geht, und wie ihr Tag so gelaufen ist. Ich bin aber guter Hoffnung, dass sie noch an uns anwachsen und wenn nicht, sind sie ja in einem Monat wieder verschwunden.
Derzeit plagen mich Probleme mit meiner Registrierung, meinem neuen Visum und meiner Krankenversicherung, aber es liegt nicht an den russischen Behörden! Im Gegenteil, alle sind sehr verständnisvoll und hilfsbereit und keiner lässt mich drei Tage auf irgendeine Unterschrift oder einen Stempel warten. Nur ich selbst habe mir zu viel Zeit gelassen, alles zu organisieren und bin demzufolge jetzt hochmotivert noch im Januar mein Visum zu bekommen.
Gestern habe ich meine letzte Prüfung bestanden und bin nun nur noch mit meiner Hausarbeit beschäftigt. Alles ist ruhig, aus dem Osten nichts Neues.
Derzeit plagen mich Probleme mit meiner Registrierung, meinem neuen Visum und meiner Krankenversicherung, aber es liegt nicht an den russischen Behörden! Im Gegenteil, alle sind sehr verständnisvoll und hilfsbereit und keiner lässt mich drei Tage auf irgendeine Unterschrift oder einen Stempel warten. Nur ich selbst habe mir zu viel Zeit gelassen, alles zu organisieren und bin demzufolge jetzt hochmotivert noch im Januar mein Visum zu bekommen.
Gestern habe ich meine letzte Prüfung bestanden und bin nun nur noch mit meiner Hausarbeit beschäftigt. Alles ist ruhig, aus dem Osten nichts Neues.
Donnerstag, 6. Januar 2011
Neues Jahr
Es kam schnell und ein wenig unerwartet, zumindest hatte ich nicht sehr viel Zeit mich darauf einzustellen. Nichts desto trotz habe ich einen schönen kalten Abend in der Stadt verbracht. Wir waren erst Pelmeni essen, dann noch in ein paar Kneipen etwas trinken, meist Tee - es war wirklich bärig kalt - um die Zeit bis 00:00 totzuschlagen. Es fiel uns aber relativ leicht, wir hatten Spaß, bis wir uns dann gegen Mitternacht an an das Nevaufer gegeüber dem Winterpalast gestellt haben, um das Feuerwerk zu genießen. Ich habe den Sekt aufgemacht und verteilt, weswegen mir meine Hände noch zu Hause eingefroren waren. Meine Füße habe ich zum Glück ab der Hälfte der Show nicht mehr gespürt. Heimzu mussten wir ein Privattaxi nehmen, ich dachte schon, wir würden laufen, aber es kam doch noch ein Auto vorbei. Der Mann hat uns gesagt, er wird noch ein Weilchen in der Stadt herumfahren, um Geld zu verdienen. Man bedenke, dass Silvester das eigentliche Neujahr der Russen ist, und das alle in der Familie feiern. Natürlich war ich auch froh, dass dieser Mann uns nach Hause gefahren hat, aber bei uns in Deutschland gäb's das vermutlich nicht.
Als wir schon kurz vor unserer Tür standen, hat Conni noch ihren russischen guten Freund angerufen (er wohnt im Block neben uns) und der hat uns dann eingeladen, noch einmal mit hoch zu kommen und ein wenig zu feiern. Seine ganze Familie war versammelt, das Essen war noch auf dem Tisch, wir mussten natürlich probieren. Es gab auch selbstgemachten Kirschschnaps. Wir haben herausgefunden, warum zu Weihnachten Schokohasen verkauft werden! Die Russen kennen alle den chinesischen Kalender und im Supermarkt wird in jedem neuen Jahr genau das Tier verkauft, was grad dran ist. Schade nur, dass wir keinen Löwen oder Stier abbekommen haben. Oder eine Ziege.
Jetzt bin ich so mit Arbeiten beschäftigt, dass ich mich zwingen musste, mein Hirn auf diese Zeilen zu fokussieren. Ich habe noch einen 8-seitigen Abschlussaufsatz zum Thema Wie sich mein Russlandbild verändert hat? bekommen und weiß nicht, ob ich mit meinen Gedanken 8 Seiten füllen kann. Wenn man bedenkt, dass ich meist ohne besondere Erwartungen oder Bilder in ein Land fahre, kann ich auf jeden Fall über viel Neues schreiben.
Morgen wollte ich eigentlich eine Prüfung schreiben, als ich aber heute mein Zensurenzettel abgeholt habe, war da schon eine 5 eingetragen, ganz ohne Prüfung. Ich werde also morgen nur hingehen, um vielleicht pro forma etwas aufzuschreiben, aber sie hat ja auch schon ihre Unterschrift drunter gesetzt. Eine Sorge weniger. Außerdem werde ich morgen an der Uni Klavier spielen, das habe ich mir fest vorgenommen.
Als wir schon kurz vor unserer Tür standen, hat Conni noch ihren russischen guten Freund angerufen (er wohnt im Block neben uns) und der hat uns dann eingeladen, noch einmal mit hoch zu kommen und ein wenig zu feiern. Seine ganze Familie war versammelt, das Essen war noch auf dem Tisch, wir mussten natürlich probieren. Es gab auch selbstgemachten Kirschschnaps. Wir haben herausgefunden, warum zu Weihnachten Schokohasen verkauft werden! Die Russen kennen alle den chinesischen Kalender und im Supermarkt wird in jedem neuen Jahr genau das Tier verkauft, was grad dran ist. Schade nur, dass wir keinen Löwen oder Stier abbekommen haben. Oder eine Ziege.
Jetzt bin ich so mit Arbeiten beschäftigt, dass ich mich zwingen musste, mein Hirn auf diese Zeilen zu fokussieren. Ich habe noch einen 8-seitigen Abschlussaufsatz zum Thema Wie sich mein Russlandbild verändert hat? bekommen und weiß nicht, ob ich mit meinen Gedanken 8 Seiten füllen kann. Wenn man bedenkt, dass ich meist ohne besondere Erwartungen oder Bilder in ein Land fahre, kann ich auf jeden Fall über viel Neues schreiben.
Morgen wollte ich eigentlich eine Prüfung schreiben, als ich aber heute mein Zensurenzettel abgeholt habe, war da schon eine 5 eingetragen, ganz ohne Prüfung. Ich werde also morgen nur hingehen, um vielleicht pro forma etwas aufzuschreiben, aber sie hat ja auch schon ihre Unterschrift drunter gesetzt. Eine Sorge weniger. Außerdem werde ich morgen an der Uni Klavier spielen, das habe ich mir fest vorgenommen.
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