Montag, 18. April 2011

Petersburg neu erleben

Hermann ist gut angekommen. Wir hatten ein paar Schwierigkeiten, uns am Flughafen zu finden, aber von da an ging alles glatt. Er ist natürlich ziemlich müde, aber wir haben heute 5 Kirchen geschafft und den ganzen Nevskij.

Das Wochenende war auch ereignisreich. Am Donnerstag hatte ich ein 4 1\2 Stunden Seminar zum Buch von Sarrazin "Deutschland schafft sich ab". Es war sehr interessant und ich habe mir eine gute Meinung zu diesem Thema bilden können. Etwas, was ich wiedereinmal an Deutschen erkannt habe und was auf sehr viele zutrifft und uns das individuelle Leben schwer macht, ist, dass jeder gern hätte, das der andere lebt, sich anzieht und handelt, wie man selbst. Das ist natürlich nicht nur eine deutsche Krankheit, sondern hat sich auch in vielen anderen Ländern ausgebreitet, aber Sarrazin ist ein gutes Beispiel dafür. Abgesehen davon haben seine Argumente zwar nicht immer Hand und Fuß, aber der Ansatz ist gut und war schon alange überflüssig in der deutschen Politik.

Am Samstag haben wir mit einem ungarischen Nachbarn Pfefferkrustenhühnchen gekocht. Es gab nur Fleisch und Nudeln (sehr männlich), ein bisschen Gemüse haben wir dann später noch gegessen. Danach gab es eine Runde Starwars, aber die Jungs haben nur die erste Stunde durchgehalten, dann sind sie schlafen gegangen. Das nacksche Hühnchen war wohl das einzig männliche ;) Am Sonntag hatten wir einen schönen Gottestdienst, doch bevor wir gegangen sind, hat uns Linda eröffnet, dass ihr Freund am Abend zuvor um ihre Hand angehalten hat und sie jetzt verlobt sind. Natürlich eine sehr erfreuliche Nachricht. Wir haben den ganzen Sonntag nur noch von Hochzeiten gesprochen. Nachmittags waren wir im Freud-Traum-Museum, ein etwas abgedrehter Laden mit nur 2 Räumen, dunkler Tapete und wenig Licht und vielen Bildinstallationen und verschiedenen Sätzen aus seinen Werken. Man hatte auch einige seiner am häufigsten erscheinenden Träume abgebildet, so zum Beispiel der Traum vom langen Mantel, oder der Traum einen nassen Betrunkenen im Treppenaufgang zu treffen. Ich weiß nicht, was man aus solchen Träumen lesen kann und kann mir wirklich Spannenderes vorstellen. Das, was ich nicht so recht hereausfinden konnte war, ob es seine Träume oder die seiner Patienten waren.Zitat von Emily: Wir hätten vermutlich ein besseres Museum herbei träumen können. Da kann ich nur zustimmen.

Freitag, 15. April 2011

Militärisches Prelude

Hierbei handelt es sich um eine Begebenheit, die ich zufällig aus dem Bus heraus entdeckt hatte und sofort an der nächsten Haltestelle ausgestiegen bin, um euch näheres zu berichten. Auf dem Platz vor der Erimitage hatten sich Kompanien von Soldaten eingefunden (ca. 50 Mann/Frauen pro Gruppe) und standen stramm in quadratischer Formierung im Halbkreis mit Blick zur Erimitage. Soweit ich richtig zählen konnte, waren es 15 Kompanien, davon 4 Marine, 4 Polizei (davon 2 nur mit Frauen) und der Rest Armee, entweder mit Bajonetten oder mit Sturmgewehren. In der Mitte des Platzes stand ein riesiges Militärorchester, gebildet aus Musikanten aller Gruppen und ca. 400 Mann stark. Es hatte 4 Unterdirigenten und einen Oberschten, der auf einem kleinen Podest stehen durfte. An der Front der Erimitage stand der Aller Oberste (als einziger in schwarzer Lederjacke, natürlich nur, um cooler zu sein, als die anderen) und gab seine Komandos von der Ladefläche eines Personentransportlasters aus. Rings um den Platz hatte man schwarzbemantelte Militärs aufgestellt, die keinen Zivilisten durchließen und somit vermutlich viele Bombenzündungen verhindert haben.

Als ich ankam war das kleine Festchen schon in vollem Gange und ich dachte bei mir, es ist vielleicht die Vereidigung der neuen Truppen oder etwas in die Richtung, wobei es dafür vielleicht zu viele Soldaten waren. Ich kann mir nicht vorstellen, dass so viele Russen in die Armee wollen. Zuerst sollte eine Gruppen von Fahnen- und Säbelträgern im Stechschritt von rechts nach links am Kommandanten vorbeischreiten und den ganzen Platz überqueren. Er gab seinen Befehl; das Orchester (von Kapelle kann ja keine Rede sein) begann, eine erhebende Musi zu spuilen und die kleine 7-Mann-Gruppe machte sich auf den Weg. Ich kann mir sehr gut vorstellen, dass exerzieren keinen Spaß macht und anstrengend ist, vorallem auf 800 Metern. Als sie bei der Hälfte angekommen waren, kam einer aus dem Takt! Der Kommandant griff sofort ein, brach alles ab, und die armen Jungs mussten zurückrennen (aber geordnet) und noch einmal von vorn beginnen. Sie taten mir sehr leid.

Nachdem sie es beim zweiten Mal bravourös gemeistert hatten und an der linken Seite angekommen waren, rief der Kommandant zwei Admiräle zu sich. Sie bekamen beide einen Jeep mit Fahrer und Mikrofon und sollten jetzt an den Truppen entlangfahren. Warum sie nicht eine Fahrgemeinschaft bilden konnten, wo sie doch den gleichen Weg hatten, kann wohl nur Putin zur Gänze beantworten. Sie gratulierten jeder Kompanie einzeln mit dem erhebenden Spruch: Zum 66. Jubiläum des Sieges im Vaterlandskrieg, woraufhin der angesprochene Trupp drei mal laut und aus vollem Herzen "Urra, Urra, Urra" schreien durfte. Nachdem alle geschrien hatten begann das Orchester wieder zu spielen und, zu meiner Belustigung, riefen die Gruppen jetzt abwechselnd, aber nicht passend zur Musik, "Urra". Man hatte es so eingerichtet, dass die beiden Frauenkompanien sozusagen als Oberstimme über den Männern rufen konnten. Ich habe mich köstlich amüsiert. Doch das sollte noch nicht alles gewesen sein.

Nach der Nationalhymne gab der Kommandant das Kommando Rechts Um und alle mussten erst mal eine Runde um den Platz marschieren. Spätestens hier dachte ich mir, das es wohl eher eine Inspizierung der Truppen sein könnte, als eine Vereidigung und entschied, noch ein wenig zu bleiben und meine Neugier zu befriedigen. Bis alle wieder auf ihrem Platz standen, konnte man die schicken jungen Männer und Frauen beobeachten, die alle im Exerzierschritt (ein halbhoher Stechschritt (Wikipedia)) zur Musik an mit vorbeistolzierten. Also Rhytmus müssen die alle haben. Vor dem Personentransportlaster mussten natürlich alle den Kommandanten grüßen und ihren Kopf dafür nach rechts drehen. Nur die ganz rechts außen laufende Reihe blickte gerade aus; es wäre schon lustig gewesen, wäre die ganze Manschaft nach rechts gezogen, immer auf den Kommandanten zu.

Nach erfolgreichem Abschluss, oder so dachte ich wenigstens, trafen sich die Kompanieführer mit El Kommandante, mussten in einer Reihe stehen und bekamen erstmal ordentlich die Leviten gelesen. Ich konnte natürlich kein Wort verstehen, aber Gesten sagen ja bekanntlich mehr und so war mir klar, was er gesehen hatte, hatte ihm gar nicht gefallen. Agitiert mimte er die Soldaten, die nicht ordentlich marschiert waren und zeigte auch promt die richtige Art und Weise. Er beschuldigte einzelne Führer, zeigte mit dem Finger auf sie und richtete dabei seine Rede an die anderen: Das soll man nicht machen! So rannte er hin und her, warf die Hände in die Luft und konnte am Ende nur noch eine Geste produzieren: Warum? Warum nur habt ihr mir diese Schmach vor die Augen gebracht! Ich konnte mich am Rand vor lachen kaum halten und hätte sicherlich laut losgelacht, wären die Schwarzmäntel vor mir nicht gewesen. Nach vollendetem Tadel gingen die Kompanieführer mit sichtlich eingezogenem Schwanz zu ihren Leuten, stellten sich in die Mitte der Truppe und besprachend das weitere Vorgehen.

Währenddessen begann die Band sich aufzulösen zum Bus zu gehen und auf dem Weg noch ein lustiges Liedchen zu spielen. Ich dachte mir, wenn die Musik geht, ists auch bald zuende. Es war schon kalt und spät geworden. Also entschied ich mich, ihnen zu folgen und konnte nur noch von Ferne sehen, wie einige Kompanien sich auf den Heimweg machten und zur Metro gingen, aber andere die Runde noch einmal laufen mussten! Im Nachhinein nehme ich an, dass sie schon jetzt begonnen haben für den 9. Mai zu üben, den Tag des Sieges, und da wirklich alles stimmen muss. Lustig war es nichtsdestotrotz und ich kann jedem empfehlen, eine Kamera mitzunehmen, wenn man sich solche Dinge anschauen möchte.

Revidierung

Ich hätte nicht gedacht, dass ich mich so in ein Thema hineinsteigern könnte, dass ich es im Nachhinein noch erklären muss. Der vorhergehende Post (englisches Wort, hat nichts mit der deutschen Post zu tun) war mehr oder weniger ein Zitat meines Professors für europäische Religionen. Ich teile seine Meinung aus Glaubensgründen nicht und habe sie in meiner schriftlichen Kontrollarbeit auch nicht wiedergegeben. Ich habe im Gegenteil von der Armut Jesu und seinem Opfer für uns Menschen geschrieben, muss jedoch zu seiner Verteidigung hinzufügen, dass die Bibel für Nichtchristen tatsächlich verwirrend und auch gegensätzlich sein kann.

Es ist interessant, sich mit seinen Ansichten auseinanderzusetzen und einen völlog anderen Blickwinkel auf das so vertraut scheinende Thema zu erhalten. Aber man muss mit Vorsicht genießen, denn vieles von dem, was er sagt scheint auf den ersten Blick logisch, muss aber gar nicht so stattgefunden haben. Wir streiten also in der alten du kannst es nicht beweisen, ich kann es nicht beweisen Debatte und drehen uns ein wenig um uns selbst, weil keiner von seinem Standpunkt abweichen will.

Er ist aber ein sehr gelehrter Mann. Hat vermutlich jedes Kirchendokument gelesen und leider falsch verstanden. Auch das macht es schwierig, mit ihm zu diskutieren. Und natürlich die Tatsache, dass seine Meinung die einzig bestehende im Raum ist und dass er keinen ausreden lässt.

Man soll ja aber dankbar sein für jede Diskussion, die man mit einem Nichtgläubigen führen kann.

Dienstag, 12. April 2011

Bibelstunde

Ich war heute an der Uni und habe meinen ersten Test auf russisch geschrieben. Die Fragen waren: War Jesus ein reicher oder armer Mann? und Warum wurde Jesus gekreuzigt? Ich glaube nach seinen Vorstellungen habe ich beide falsch beantwortet. Jesus war nämlich reich (er war schließlich ein Rabbi und zur Hochzeit von Kaana eingeladen, die ja mit 600 Gästen sicherlich nur von Reichen für Reiche gemacht worden sein kann) und gekreuzigt wurde er, weil er sich König der Juden genannt hat und Pilatus ihn gern aus dem Bild haben wollte, als Aufrührer und Anführer eines Bürgerkrieges (dem stimme ich allerdings zu) Und: Pilatus war ein richtiger Sack, der wollte Jesus eigentlich nur freilassen, um den Juden eins auszuwischen und ihnen das Osterfest zu versauen.
Die Vorlesung ist sehr lehrreich. Man lernt zu denken wie ein Atheist. Der Einzug nach Jerusalem war auch vorgeplant, denn Jesus kann nich wissen, wo der Esel steht und keiner würde um dieses Jahrhundert herum seinen Esel kostenlos abgeben. Da wurde vorher für gezahlt, was wiederum beweist, dass Jesus ein relativ reicher Mann war, denn nicht jeder kann sich einfach so einen Esel kaufen.Das ist, wie als wenn heute jemand seinen Strech-Mercedes mal eben ausleihen würde.