Donnerstag, 10. Februar 2011

Endlich Urlaub

Mein Pass ist zu mir zurückgekehrt mit Visum und neuer Registrationskarte. Mein Heim bleibt mein Heim und bis jetzt blieb meine Wohnung auch exklusiv nur meine Wohnung. Auch wegen der Aussicht auf Kontakt mit Menschen freue ich mich auf zu Hause. Ich werde ein paar Zwischenstopps einlegen, ein Road Trip sozusagen, und in Berlin einen Kaffee trinken und in Dresden Freunde besuchen, dann unser 51-jähriges Hausbaujubiläum schmeißen und mir zu guter Letzt die schöne, italienische Sonne auf die Skibrille scheinen lassen, bevor ich mich völlig der Universität hingebe. Dann hoffe ich auch, neue Mitbewohner zu haben, denn ohne ist Mist, aber sauberer. Ruhig wird es ja sowieso nie, unsere Nachbarn kümmern sich immer rührend um eine angemessene Geräuschkulisse auch nach Milans Abreise. Einer "improvisert" auf seiner Klarinette, der andere auf dem Saxophon. Aber immerhin kann man nur die Gitarre und das vermutlich selbst gebastelte Schlagzeug zu den unmöglichsten Morgenstunden hören.

Das Schlimmste derzeit ist das Wetter. Eine Mischung aus viel Wasser am Tag und über Nacht wieder Nachschub zum Schmelzen. Ich habe mir leider nicht, wie 30% der Bevölkerung Gummistiefel gekauft und muss mich mit nassen Füßen anfreunden. Man sieht jetzt auch häufig Menschen mit Masken vor Mund und Nase. Sogar eine unserer reizenden Rezeptionistinnen hat dieses stylische Accessoire ihrer Gaderobe hinzugefügt. Vielleicht bringe ich eine Kostprobe der russischen Grippe mit nach Hause.

Gestern bin ich mit dem Trolleybus zur Uni gefahren, um wieder einmal für mein Wohnheim zu zahlen. Ich war eine halbe Stunde zu spät da, aber durfte immer noch bezahlen. Man weiß eben nie, woran man in diesem Land gerade ist. An einer der Haltestellen stiegen zwei alte Frauen ein und fingen, sobald sie sich gesetzt hatten, an darüber zu keifen, dass sie schon eine ganze Stunde auf diesen Trolleybus warteten. Es wäre so kalt gewesen und man kann doch Rentner nicht in der Kälte auf den Bus warten lassen. Wichtig ist auch zu wissen, dass es keine festen Busfahrzeiten gibt. Das allgemeine deutsche Vorurteil, was nicht unbedingt ein Vorurteil ist, dass Rentner immer viel zu früh zur Haltestelle gehen, kann hier also nicht angewendet werden. Die beiden betagten Damen wollten aber per du nicht still sein. Ich frage mich immer, warum man die armen, schwer arbeitenden Kontrolleure nicht einfach in Ruhe lassen kann, sie können an der Gesamtsituation doch sowieso nichts ändern. Außerdem hatte der Bus zu weit ab vom Bürgersteig gehalten und sie mussten durch die großen Pfützen steigen, bevor sie den Bus erreichen konnten, das sollte bitte dem Fahrer gemeldet werden. Binnen kurzer Zeit waren alle ringsum sitzenden Passagiere in den kleinen Streit verwickelt und ich musste mir das Lachen verkneifen, sonst wäre ich vielleicht noch mit dem Regenschirm verhauen worden.

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