Freitag, 15. April 2011

Militärisches Prelude

Hierbei handelt es sich um eine Begebenheit, die ich zufällig aus dem Bus heraus entdeckt hatte und sofort an der nächsten Haltestelle ausgestiegen bin, um euch näheres zu berichten. Auf dem Platz vor der Erimitage hatten sich Kompanien von Soldaten eingefunden (ca. 50 Mann/Frauen pro Gruppe) und standen stramm in quadratischer Formierung im Halbkreis mit Blick zur Erimitage. Soweit ich richtig zählen konnte, waren es 15 Kompanien, davon 4 Marine, 4 Polizei (davon 2 nur mit Frauen) und der Rest Armee, entweder mit Bajonetten oder mit Sturmgewehren. In der Mitte des Platzes stand ein riesiges Militärorchester, gebildet aus Musikanten aller Gruppen und ca. 400 Mann stark. Es hatte 4 Unterdirigenten und einen Oberschten, der auf einem kleinen Podest stehen durfte. An der Front der Erimitage stand der Aller Oberste (als einziger in schwarzer Lederjacke, natürlich nur, um cooler zu sein, als die anderen) und gab seine Komandos von der Ladefläche eines Personentransportlasters aus. Rings um den Platz hatte man schwarzbemantelte Militärs aufgestellt, die keinen Zivilisten durchließen und somit vermutlich viele Bombenzündungen verhindert haben.

Als ich ankam war das kleine Festchen schon in vollem Gange und ich dachte bei mir, es ist vielleicht die Vereidigung der neuen Truppen oder etwas in die Richtung, wobei es dafür vielleicht zu viele Soldaten waren. Ich kann mir nicht vorstellen, dass so viele Russen in die Armee wollen. Zuerst sollte eine Gruppen von Fahnen- und Säbelträgern im Stechschritt von rechts nach links am Kommandanten vorbeischreiten und den ganzen Platz überqueren. Er gab seinen Befehl; das Orchester (von Kapelle kann ja keine Rede sein) begann, eine erhebende Musi zu spuilen und die kleine 7-Mann-Gruppe machte sich auf den Weg. Ich kann mir sehr gut vorstellen, dass exerzieren keinen Spaß macht und anstrengend ist, vorallem auf 800 Metern. Als sie bei der Hälfte angekommen waren, kam einer aus dem Takt! Der Kommandant griff sofort ein, brach alles ab, und die armen Jungs mussten zurückrennen (aber geordnet) und noch einmal von vorn beginnen. Sie taten mir sehr leid.

Nachdem sie es beim zweiten Mal bravourös gemeistert hatten und an der linken Seite angekommen waren, rief der Kommandant zwei Admiräle zu sich. Sie bekamen beide einen Jeep mit Fahrer und Mikrofon und sollten jetzt an den Truppen entlangfahren. Warum sie nicht eine Fahrgemeinschaft bilden konnten, wo sie doch den gleichen Weg hatten, kann wohl nur Putin zur Gänze beantworten. Sie gratulierten jeder Kompanie einzeln mit dem erhebenden Spruch: Zum 66. Jubiläum des Sieges im Vaterlandskrieg, woraufhin der angesprochene Trupp drei mal laut und aus vollem Herzen "Urra, Urra, Urra" schreien durfte. Nachdem alle geschrien hatten begann das Orchester wieder zu spielen und, zu meiner Belustigung, riefen die Gruppen jetzt abwechselnd, aber nicht passend zur Musik, "Urra". Man hatte es so eingerichtet, dass die beiden Frauenkompanien sozusagen als Oberstimme über den Männern rufen konnten. Ich habe mich köstlich amüsiert. Doch das sollte noch nicht alles gewesen sein.

Nach der Nationalhymne gab der Kommandant das Kommando Rechts Um und alle mussten erst mal eine Runde um den Platz marschieren. Spätestens hier dachte ich mir, das es wohl eher eine Inspizierung der Truppen sein könnte, als eine Vereidigung und entschied, noch ein wenig zu bleiben und meine Neugier zu befriedigen. Bis alle wieder auf ihrem Platz standen, konnte man die schicken jungen Männer und Frauen beobeachten, die alle im Exerzierschritt (ein halbhoher Stechschritt (Wikipedia)) zur Musik an mit vorbeistolzierten. Also Rhytmus müssen die alle haben. Vor dem Personentransportlaster mussten natürlich alle den Kommandanten grüßen und ihren Kopf dafür nach rechts drehen. Nur die ganz rechts außen laufende Reihe blickte gerade aus; es wäre schon lustig gewesen, wäre die ganze Manschaft nach rechts gezogen, immer auf den Kommandanten zu.

Nach erfolgreichem Abschluss, oder so dachte ich wenigstens, trafen sich die Kompanieführer mit El Kommandante, mussten in einer Reihe stehen und bekamen erstmal ordentlich die Leviten gelesen. Ich konnte natürlich kein Wort verstehen, aber Gesten sagen ja bekanntlich mehr und so war mir klar, was er gesehen hatte, hatte ihm gar nicht gefallen. Agitiert mimte er die Soldaten, die nicht ordentlich marschiert waren und zeigte auch promt die richtige Art und Weise. Er beschuldigte einzelne Führer, zeigte mit dem Finger auf sie und richtete dabei seine Rede an die anderen: Das soll man nicht machen! So rannte er hin und her, warf die Hände in die Luft und konnte am Ende nur noch eine Geste produzieren: Warum? Warum nur habt ihr mir diese Schmach vor die Augen gebracht! Ich konnte mich am Rand vor lachen kaum halten und hätte sicherlich laut losgelacht, wären die Schwarzmäntel vor mir nicht gewesen. Nach vollendetem Tadel gingen die Kompanieführer mit sichtlich eingezogenem Schwanz zu ihren Leuten, stellten sich in die Mitte der Truppe und besprachend das weitere Vorgehen.

Währenddessen begann die Band sich aufzulösen zum Bus zu gehen und auf dem Weg noch ein lustiges Liedchen zu spielen. Ich dachte mir, wenn die Musik geht, ists auch bald zuende. Es war schon kalt und spät geworden. Also entschied ich mich, ihnen zu folgen und konnte nur noch von Ferne sehen, wie einige Kompanien sich auf den Heimweg machten und zur Metro gingen, aber andere die Runde noch einmal laufen mussten! Im Nachhinein nehme ich an, dass sie schon jetzt begonnen haben für den 9. Mai zu üben, den Tag des Sieges, und da wirklich alles stimmen muss. Lustig war es nichtsdestotrotz und ich kann jedem empfehlen, eine Kamera mitzunehmen, wenn man sich solche Dinge anschauen möchte.

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