Es kam schnell und ein wenig unerwartet, zumindest hatte ich nicht sehr viel Zeit mich darauf einzustellen. Nichts desto trotz habe ich einen schönen kalten Abend in der Stadt verbracht. Wir waren erst Pelmeni essen, dann noch in ein paar Kneipen etwas trinken, meist Tee - es war wirklich bärig kalt - um die Zeit bis 00:00 totzuschlagen. Es fiel uns aber relativ leicht, wir hatten Spaß, bis wir uns dann gegen Mitternacht an an das Nevaufer gegeüber dem Winterpalast gestellt haben, um das Feuerwerk zu genießen. Ich habe den Sekt aufgemacht und verteilt, weswegen mir meine Hände noch zu Hause eingefroren waren. Meine Füße habe ich zum Glück ab der Hälfte der Show nicht mehr gespürt. Heimzu mussten wir ein Privattaxi nehmen, ich dachte schon, wir würden laufen, aber es kam doch noch ein Auto vorbei. Der Mann hat uns gesagt, er wird noch ein Weilchen in der Stadt herumfahren, um Geld zu verdienen. Man bedenke, dass Silvester das eigentliche Neujahr der Russen ist, und das alle in der Familie feiern. Natürlich war ich auch froh, dass dieser Mann uns nach Hause gefahren hat, aber bei uns in Deutschland gäb's das vermutlich nicht.
Als wir schon kurz vor unserer Tür standen, hat Conni noch ihren russischen guten Freund angerufen (er wohnt im Block neben uns) und der hat uns dann eingeladen, noch einmal mit hoch zu kommen und ein wenig zu feiern. Seine ganze Familie war versammelt, das Essen war noch auf dem Tisch, wir mussten natürlich probieren. Es gab auch selbstgemachten Kirschschnaps. Wir haben herausgefunden, warum zu Weihnachten Schokohasen verkauft werden! Die Russen kennen alle den chinesischen Kalender und im Supermarkt wird in jedem neuen Jahr genau das Tier verkauft, was grad dran ist. Schade nur, dass wir keinen Löwen oder Stier abbekommen haben. Oder eine Ziege.
Jetzt bin ich so mit Arbeiten beschäftigt, dass ich mich zwingen musste, mein Hirn auf diese Zeilen zu fokussieren. Ich habe noch einen 8-seitigen Abschlussaufsatz zum Thema Wie sich mein Russlandbild verändert hat? bekommen und weiß nicht, ob ich mit meinen Gedanken 8 Seiten füllen kann. Wenn man bedenkt, dass ich meist ohne besondere Erwartungen oder Bilder in ein Land fahre, kann ich auf jeden Fall über viel Neues schreiben.
Morgen wollte ich eigentlich eine Prüfung schreiben, als ich aber heute mein Zensurenzettel abgeholt habe, war da schon eine 5 eingetragen, ganz ohne Prüfung. Ich werde also morgen nur hingehen, um vielleicht pro forma etwas aufzuschreiben, aber sie hat ja auch schon ihre Unterschrift drunter gesetzt. Eine Sorge weniger. Außerdem werde ich morgen an der Uni Klavier spielen, das habe ich mir fest vorgenommen.
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