Mein Geburtstag und die Woche davor waren unspektakulär und eigentlich nicht erwähnenswert, wenn es nicht mein Geburtstag gewesen wäre. Da wir am selben Abend mit dem Nachtzug nach Moskau aufbrechen wollten, hatte ich nur ein kleines Abendessen für meine beiden Mitbewohnerinnen zubereitet. Ja, richtig, wir waren zu diesem Zeitpunkt nur noch zu dritt, denn meine liebe Linda hatte sehr spontan eine neue Wohnung in der Nähe ihres Freundes gefunden und ist zum 29.04. ausgezogen. Ich war natürlich weniger begeistert, aber die Moskaureise hatte mich erst ein mal fest im Gedankengriff. Das Abendessen war italienisch, Bruscetta und Nudeln mit Fisch-Broccoli-Käse-Sauce. Noch in der vorigen Nacht hatten mir alle vier einen Mitternachts-Kuchen- und Sektempfang bereitet.
Kurz vor Mitternacht des 29. Aprils fuhren wir dann zum Moskauer Bahnhof. Wir, das waren meine beiden bezaubernden Mitbewohnerinnen, Silvia aus Österreich, die wie meine liebe Vera aus dem letzten Semester in Salzburg studiert, und Adam aus den USA. Wir waren natürlich eineinhalb Stunden zu früh am Bahnsteig und nutzten die Zeit, um Getränke und Verpflegung für die 8 Stunden lange Fahrt in einem engen russischen Zug zu besorgen. Die Preise am Bahnhof sind übrigens horrend, man sollte besser den Weg zum nächsten Supermarkt auf sich nehmen.
Der Zug selbst war lang und wir mussten natürlich an der allerletzten Tür einsteigen. Nachdem wir also unser Gepäck die 30 Wagons entlanggeschleppt hatten wurde mit dem Reisepass das Ticket kontrolliert und die Bettensuche begonnen. Die Nummern waren fast unmöglich zu lesen und wir sind zwei mal durch den Wagen gelaufen bis wir unsere Privatquartiere gefunden hatten. Privat beschreibt es übrigens sehr gut. Man stelle sich einen normalen Wagon mit Abteilen auf der einen und einem Gang auf der anderen Seite vor. In diesem speziellen Schlafwagen wurde die Vorderwände der Abteile ausgebaut und im Gang am Fenster noch ein Doppelstockbett installiert, so dass praktisch in jedem Abteil des Zuges 6 Menschen schlafen konnten. Wieder allen Erwartens war es weder stickig noch heiß und man konnte wirklich gut schlafen. Gegen 10 waren wir in Moskau und sind gleich in unser Hostel gefahren. Die Metro ist viel komplizierter und weitläufiger als in St. Petersburg. Manchmal musste man gefülte fünf Kilometer laufen um von einer zur andere Linie zu wechseln; das passiert einem in Petersburg zum Glück nicht. Das Hostel war erträlich und nur 30 Gehminuten vom Roten Platz entfernt. Gleich am ersten Tag haben wir diesen auch besichtigt, nur leider war Lenin für die nächste Woche geschlossen. Die Basilika ist natürlich wunderschön, aber ich würde sagen, bis auf die Kunstgalerien, die wir in Moskau besichtigt haben, war nichts vergleichbar schön wie daheim in Petersburg. Die Stadt ist noch größer, ganz anders gebaut, sowjetischer und gar nicht aus Holz. Der Kreml ist auch sehr nett. Wir haben in Gorky Park das Lied Wind of Change gesungen und mit Pantomimen getanzt. Alles in allem war es ein befriedigender Kurzurlaub und wir haben wirklich viel gesehen in den drei Tagen. Petersburg ist mir aber um einiges lieber als Moskau; die Leute sind einfach netter.
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