Wir wissen ja schon seit einigen Jahrhunderten, dass Russland in allen Entwicklungen, sei es politisch, philosophisch oder ökonomisch, etwas verspätet auf den Zug aufspringt, aber leider trifft das in Petersburg auch auf das Wetter zu. Wir haben wunderschönstes Aprilwetter mit Sonne, Regen und starkem Wind an jedem Tag und das Anfang Juni. Für mich bedeutet das kein Lernen am Strand sondern im Bett. Ich habe in den nächsten 2 Wochen noch 3 Prüfungen und 4 Familienmitglieder zu meistern. Dann kann ich auch schon bald nach Hause fahren. Mein Flug ist auch schon gebucht. Die Pläne, nach Helsinki und Schweden zu düsen habe ich verworfen, weil man keine Fährverbindung von Stockholm nach Deutschland unter 100 € finden kann; einen Flug schon gar nicht.
An diesem Wochenende haben wir den 308. Geburtstag unserer Wahlheimatstadt gefeiert. Es war ein großes Ereignis mit allerlei Gästen von fern und nah, akrobatischen Einlagen, Bands und Festumzügen. Zur feierlichen Eröffnung hatte man ein Akrobatenteam aus Frankreich eingeladen. Auf dem Schlossplatz waren mehrere große Gerüste aufgebaut und auch zwei große Kräne - alle mit Drahtseilen verbunden. Die Artisten sind dann in Engelskostümen über den ganzen Platz gesaust und haben aus verschiedenen Behältnissen Daunenfedern und goldenes Konfetti fallen lassen. Es gab ungefähr 20 Engel, die verschiedene Bilder dargestellt haben. Erinnert hat mich das ganze an die Engelshow im 3. Stock der Manufaktur der Träume, nur das das hier natürlich ein reiner Abklatsch der Grazie der Darstellung in Annaberg war. Die Hymne der Stadt wurde auch vielfach gespielt. Ich möchte sie hier kurz übersetzen:
Du hohe Stadt, thronend an der Newa,
Wie ein wunderbares Heiligtum öffnest du unsere Herzen.
Stahlst durch die Jahrhunderte in der Schönheit deiner Lebendigkeit,
und der Bronzene Reiter verkörpert deinen Atem.
Unbezwingbar - du hast in den Jahren
alle Stürme und Winde überwunden!
Mit Meeresseele,
unsterblich, wie Russland,
Fregatten, schwimmend unter dem Segel Peters!
Sankt Petersburg, bleibe für immer jung!
Dein Ehrentag verklärt dich.
So gedeihe, unsere schöne Stadt,
die größte Ehre - ein gemeinsames Schicksal zu verleben.
Mit diesen Worten grüße ich mein Petersburg, möge es noch viele Jahre stehen und viele gute Akademiker hervorbringen.
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