Heute morgen gab es kein warmes Wasser. Ich, als morgendlicher Warmduscher bin da völlig aufgeschmissen. Kurz darauf ein Zettel am Empfang: Bitte alle Wasserhähne zudrehen, es kam schon zu Überschwämmungen in einigen Etagen. Und, ach ja, es wird wohl öfter morgens kein warmes Wasser geben. Also nehme ich an, das auch die Heizung über Nacht kalt wird, aber das habe ich noch nicht empirisch belegt. Insgesamt ist unsere Wohnung kalt und nur der Adventsschmuck lässt heimelige und gemütliche Stimmung aufkommen. Wir haben einen Adventsteller mit 4 Kerzen, einem Plastikblumenornament und vielen, von Vera und mir aus Orangenschalen ausgeschnittenen und getrockneten, weihnachtlichen Verzierungen, unter anderem eine Krippe (mit Ochse!), ein Weihnachtsmann, Schneemänner, Sterne, Herzen und so weiter. Wir haben rote und goldene Sterngirlanden um unser Küchenfenster drapiert und sogar eine bunte Sternlichterkette aufgehängt, die verschieden blinkt oder manchmal auch nicht.
Heute ist mir weiterhin aufgefallen, dass ich mir absofort 2 Paar Socken anziehen muss, sonst laufe ich bald nur noch auf meinen Fußballen. Ein Highlight des Tages war der himmelblaue Himmel und die Sonne, die vielen Petersburgern den echten Pelz gewärmt hat.
Ein Phänomen, über das ich erst jetzt schreiben möchte, ist das Schlangestehen. Also in der Metro besteht eine Schlange meist aus multiplen Enden, die alle egalitäre Ansprüche auf den 1. Platz auf der Rolltreppe oder durch die Tür haben. Heute fand ich das fast sogar angenehm, weil man sich in der Masse besser wärmen kann. Wenn man also mit Love-Parade-Feeling mitten im Gedränge steht und sich zusammen mit 40 anderen Leuten durch eine Tür pressen will, so sollte man erstens auf seine Tasche aufpassen, zweitens die Nase fest verschließen und drittens so gut es geht oben bleiben und gegendrücken, sonst kommt man unter die Füße. Treppenstufen sind besonders herausfordernd und für ihre Erklimmung benötigt man guten Rückhalt von seinen Hintermännern.
Andere Schlangen, die nichts mit Beförderung zu tun haben sind geregelt und, wenn man weiß wo sie aufhören, gut überschaubar. Trotzalledem sollte man immer fragen: "Кто последний?" - Wer ist der Letzte? Denn falls man schnell noch wo hin muss, kann man seinen Hinter - und Vordermann ohne Probleme um Platzfreihaltung bitten. Professionelle (bezahlte) Schlangensteher, wie in Amiland sind also nicht von Nöten, alles kann durch einfache Nächstenliebe erreicht werden.
Ich habe übrigens eine Gitarre bekommen. Anja, eine Freundin von Kasia hatte 2 und hat mir freundlicherweise eine geliehen. Jetzt kann ich jeden Morgen zum Aufstehen Lieder singen und Kasia mit "Guten Morgen liebe Sorgen", oder ":Guten Morgen:, Guten Morgen Sonnenschein" aus dem Bett und in die kalte Dusche scheuchen.
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