Nicht nur im Sinne der Tagesläufe, die unaufhaltsam an mir vorüberziehen, auch die Sonne an sich ist weniger geworden. Da hatte ich zu Anfang schon erwogen keine Jacken einzupacken, hab aber auf die kleine quengelnde Stimme in meinem Kopf gehört (du weißt schon, dass ich dich meine) und bin froh und gesund geblieben. Kurzum: Es ist kalt. Ich hab schon vor einer Weile mein Laken mit einer Decke ausgestopft und mein Fenster halb geschlossen, jetzt muss ich auch noch wärmer duschen, um beim abtrocknen nicht gleich anzufrieren.
Um meiner Erinnerung Willen sollte ich schreiben, was ich auf Arbeit gemacht habe: Der Artikel ist abgegeben, ich habe noch ein Zitat eingefügt und ihn auf Ratschläge meiner Chefin hin überarbeitet. Sie scheint, nun, zufrieden ist ein zu starkes, emotionales Wort, also vielleicht eher "hmä". Ja, das trifft es sehr gut. Ich hab keine Ahnung, ob der Artikel gut oder schlecht ist, ich hab schon wieder vergessen, was drinstand.
Nun folgt Langeweile auf Langeweile. Ein Highlight war das Treffen mit Vaters tschechischer Kollegin, da konnte ich gleich zweimal lange Mittagspause machen, weil wir uns das erste Mal nicht erkannt hatten und sie beim zweiten Mal ne halbe Stunde zu spät kam. Für mich bedeutete das Powerwalking durch die City und vor allem durch die Touristen. Touristen sind schrecklich, unberechenbar, bleiben stehen, laufen plötzlich direkt vor die über die ganze Straße, aber so langsam als nur menschenmöglich, um in irgendeinem Spittelladen mit vielen glänzenden und blinkenden Dingen ein scheußliches Souvenir für die, wenn man das Mitbringsel bedenkt, vielleicht nicht ganz so Lieben daheim auszusuchen. Wer auf einem blauen Skihang schon mal schnell durch wollte, kann verstehen, was ich meine.
Ich habe mich mit den Kollegen im Nachbarbüro bekannt gemacht. Dort sitzt unter anderem die Abteilung für Theaterforschung und da zur Geschichte auch viel Österreich und Deutschland dazugehört, wurde zu Beginn des Jahres eine Enzyklopadie zur böhmischen Theaterkooperation im 19. Jahrhundert rausgegeben. Dazu gibt es natürlich auch eine Internetseite und ich wurde zum Korrekturlesen angestellt. Leider wurde das ganze von einem oder auch mehreren Österreichern übersetzt und ich habe die glorreiche Aufgabe, das ins Deutsche zu übersetzen. Wer hat schon mal den Satz - Der Autor schrieb zehnter Stücke. - gehört und ein angemessenes deutsches Gegenstück gefunden? Wie viel ist zehnter eigentlich, das ist sowas wie hunderte, nur im zehner-Bereich, aber liegt es eher unter, oder über 50 oder sind es eigentlich nur 20, und zehnter lässt es einfach ein bisschen mehr klingen. Üsch wees es nüsch.
So weit, so gut. Morgen darf ich vielleicht endlich wieder mit Arbeiten anfangen, wenn mein Kollege ordentlich zugearbeitet hat. Dann gehts los mit Leute anrufen und Informationen rausquetschen. Ich weiß nur leider immer noch nicht zu welchem Thema.
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