Ich bin intelligent. Zumindest laut meiner Mitbewohnerin Dasha, die gestern Abend bereit war, ein wenig mit uns zu plaudern und offensichtlich, mit meiner allgemeinen Einstellung vereinbar, eine ziemlich schlechte Meinung von Amerikanern hat. Aber, die beiden, die mit uns wohnen konnte sie als intelligente Wesen akzeptieren, so wie auch mich. Da sie das immer wieder betonte, kam ich mir gleich ein bisschen blöd vor, denn wenn einem von oben herab jemand 5 mal sagt, "ich denke du bist intelligent" oder "du bist ja ein intelligenter Mensch, mit dir kann man sich unterhalten", dann frage ich mich doch zunächst, was sie mit unintelligenten Menschen macht - sagt sie denen einfach, sie sind Menschen zweiter Klasse und ihrer Gegenwart nicht würdig; und man fragt sich auch, wo sie die anmaßende Kritikbefähigung und ach so vorurteilbehaftete Objektivität gegenüber der menschlichen Rasse hernimmt.
Einzuschätzen ist sie vermutlich als liberale Marktwirtschaftlerin mit einem Sinn für Selbstdarstellung, nicht unbedingt ihrer selbst, aber aller anderen Dinge, guter Vermarktung und Produktplatzierung für die allgemeine Bevölkerung mit einem IQ unter 100 und dem natürlichen Ausnutzen derer, die nicht intelligent genug sind, auf die Verführungen des Konsums vernünftig zu reagieren. Nun mag sie das alles auch für furchtbar egoistisch, abartig und unmenschlich halten, erkennt aber für sich, dass man das Spiel spielen muss, um heutzutage mitmischen zu können und hat die Hoffnung auf eine bessere Welt schon lange aufgegeben. Ein weiterer interessanter Punkt: Sie meint, in einigen Jahrhunderten werden wir den Sinn des Lebens endlich gefunden haben und feststellen, dass wir nur hier sind, um zu reproduzieren, eine mehr oder weniger elende Existenz zu durchlaufen und zu sterben.
Nun zu mir. Ich bin generell eher Zuhörer und habe interessiert gelauscht, mir ins Fäustchen gelacht und mich über meinen chistlichen Glauben und die damit verbundene Hoffnung, zunächst auf ein zufriedeneres Leben hier auf Erden und dann natürlich auch einen wesentlich besseren Sinn des Lebens hier und später bei Gott gefreut. Denn ehrlich mal: Die Welt wird keiner verändern, dazu ist sie zu verdreht und echt "fucked up". Das, was ich versucht habe meiner Mitbewohnerin zu vermitteln ist, dass man Hoffnung nicht aufgeben darf und die kleinen Dinge im Leben meist mehr zählen, als die großen. Einigen wenigen zu helfen ist besser, als das System zum Ausbeuten zu benutzen. Sich an einer Stadt wie Prag und ihrer reichen Schönheit zu freuen ist besser, als am Elend der Welt zu verzweifeln, obwohl man das nicht außer Acht lassen sollte, schließlich kann man nicht nur in seiner eigenen kleinen, bequemen Blase leben, wie die stereotypisierten Amerikaner. Den Gesprächen mit meinen Mitbewohnern zufolge, gibt es die leider wirklich überall und en masse, und alle Vorurteile sind leider vorurteilsfrei korrekt, also Fakt.
Ein anderer interessanter Punkt zur Intelligenz ist deren Korrelation zum Reichtum. Wir glauben festgestellt zu haben, dass Menschen mit wirklicher Intelligenz vermutlich zu intelligent sind, um ungeachtet ihres Nächsten Reichtümer zu akkumulieren und somit eher im mittleren Reichtum verbleiben. Natürlich gehört zu so einer Milchmädchenrechnung noch viel mehr außer Intelligenz (Charakter, Ambitionen, Umstände), es ist ja auch nur eine von mir ganz sicher nicht belegbare Theorie, aber mir scheint, die Menschen, die das große Geld mit ausgefahrenen Ellenbogen verdienen, müssen nicht unbedingt die intelligentesten sein, nur die ambitioniertesten und raffgierigsten, Eigenschaften, die vielleicht nichts mit dem IQ einer Person zu tun haben, aber sicher mit emotionaler und sozialer Intelligenz und der allgemeinen Einstellung zum Leben und dem eigenen Wohlbefinden.
Nun, diese Argumentation war interessant, wenn auch ein wenig aus der Luft gegriffen. Ich werde sie sicher bald wieder vergessen haben. Bis dahin lese ich ein von ihr empfohlenes Buch zu meiner Horizonterweiterung. Was über Konsum, Wirtschaft und Psychologie, das mir sicher wieder einmal zeigt, wie verdorben und hinterhältig die Welt doch sein kann. Freude, Freude über Freude, denn zum Glück ist da noch Christus und der wehrt allem Leide.
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