Wenn ich es nicht besser wüsste, würde ich sagen, ich habe verlernt zu arbeiten, aber das ist doch völlig unmöglich, ich bin einfach nur schüchtern, ein - in diesem Zusammenhang - besseres Synonym zu scheu. Da ich in den letzten 2 Wochen keinen Artikelschreiber für das slovakische Journal gefunden habe, bin ich sebst dran. Besser als nichts tun ist es allemal, doch die Anziehungskraft des Nichts-Tuns sollte man nicht unterschätzen. Anstatt brav meine Seiten zu füllen, habe ich mich nun zunächst entschieden, einen Eintrag zur Wichtigkeit dieser Aufgabenerfüllung zu verfassen.
Argument 1: Meine Chefin will es so. Sehr überzeugend, vor allem wenn man bedenkt, dass sie meine Abschlussbewertung ausstellen wird.
Argument b: Nächste Woche ist Redaktionsschluss. Zeit war ja schon immer ein schlecht durchdachtes, unbequemes Konzept. Mit der hat man nie Spielraum um die Zehen herum, da wackelt nix, da gibst immer nur Druck auf die sowieso schon aufgescheuerten Stellen. Diese Metapher entstammt wohl der Stöckelschuherfahrung die ich vor einigen Tagen auf dem Weg zur und von der Arbeit gemacht habe. Prag ist eine Stadt der flachen Schuhe, selbst für geübte Stöckler.
III Argument: Ich werde veröffentlicht. Spannend oder? Das ist mir noch nie passiert und ich bin mir nicht sicher, für solche Dinge geeignet zu sein.
Argument 4.1: Das Thema ist gar nicht mal halb-uninteressant. Da muss man doch was draus machen können. Nur meinen Schreibstil sollte ich dringlich anpassen, denn das hier geht da überhaupt nicht, Alter.
So viele gute Argumente, die ich mir selbst geliefert habe, die reinste Form der Selbstmotivation, so rein, da muss es jetzt doch ganz schnell von der Hand in den PC fließen. Wenn mein PC doch nur aufschriebe, was ich mir im Kopf zusammenreime, und dann sinnvoll und -zusammenhängend formulierte. Aber wer will schon freiwillig in meinen Kopf hinabsteigen. Vielleicht hat diese Schreibübung eine positive Auswirkung auf den Rest des Nachmittags, oder den Abend, oder die Nacht.
Ach, vielleicht sollte ich kurz meine WG beschreiben. Mein Zimmer ist klein, ich habe aber auch mein Klavier daheim gelassen und bin trotz des kurzen Aufenthalts schon wieder auf der Suche nach einem spielbaren Ersatzgerät. Meine Mittbewohner werden von Tag zu Tag netter, auch, weil man sich nicht oft über den Weg läuft und fast jeder direkt nach Benutzung abwäscht, spült, die Klobürste in die Hand nimmt, den Abfluss leider nicht reinigt, aber dafür ab und zu den Tisch abwischt. Am Morgen gibt es keine Probleme, ins Bad kommt man immer, wir sind ja auch nicht alle berufstätig und arbeiten gleitzeitig. Brittany ist Kalifornierin und derzeit in Warschau, nächstes Wochenende in Barcelona und später dann in Kroatien uvm. Sie arbeitet als Praktikantin in einem Anwaltsbüro als Rechtsassistentin. Michal, Tscheche, sitzt den ganzen Tag beruflich am PC und betreut gerade Mars als Kunden. Außerdem ist er ständig zum Klettern unterwegs. Dascha ist Ex-Diplomatenkind, Studentin, vielgereist und erstaunlich normal. Andrew kommt aus New York, dem Staat, will hier Englisch unterrichten und ist gerade nach Bratislava gefahren, um sein Visum zu beantragen. Scheinbar muss man beweisen können sich bei Visumsantrag nicht im Arbeitsland aufzuhalten. Seine Freundin aus Fronkraisch, nett, ist immer da, obwohl er nicht zusammen mit ihr wohnen wollte. Schon klar.
Ich war schon 2 mal aus, mehr als in Magdeburg in einem Semester, und genieße die Fremde.
Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen